Abies alba

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Abies alba Mill.

Pinaceae

Lebensform: Baum
Verwendung: Nutzpflanze

Standort: Sonne - Standort: Halbschatten - Standort: Schatten   4

Bodenfeuchte: frisch bis Bodenfeuchte: feucht

Bodenart: sandiger Lehm - Bodenart: sandiger Ton - Bodenart: lehmiger Ton - Bodenart: Torf

Blattstand: wechselständig
Blatt: Immergrün

Nadeln: mit Polster

Blattgliederung: einfach

Blütenform: keine Angabe
Frucht: Zapfen

149C / add664 

Knospenanordnung: Ähre

Blüte: einfach
Blütenhabitus: aufrecht

Kronenform: breit säulenförmig

Taxonomie

Divisio:
Pinophyta
Subdivisio:
Pinophytina
Classis:
Pinopsida
Subclassis:
Pinidae
Ordo:
Pinales
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Abies alba, umgangssprachlich Weißtanne, ist ein immergrüner Nadelbaum, der bis zu 600 Jahre alt werden kann. Sie gilt als die gegen Schadstoffe empfindlichste einheimische Baumart.

Namensherkunft

Abies alba wurde 1768 von Philip Miller beschrieben und benannt.

Der wissenschaftliche Name "Abies" findet sich bereits in der Naturalis historia von Plinius dem Älteren, das um 79 n. Chr. entstand.

Der deutsche Name Weiß-Tanne bezieht sich auf die Rinde, die glatt und grau ist und deshalb in der Sonne hell glänzt.

Taxonomie

Abies alba ist die Typusart der Gattung Abies, die circa 84 bis 93 Arten umfasst. Die Gattung gehört zur Familia der Pinaceae (Kieferngewächse) in der Ordo Pinales. Sie wird oft mit Picea abies (Fichte) verwechselt, die auch zu den Pinaceae gehört und wegen ihrer meist rötlich-braunen Rinde auch Rot-Tanne genannt wird.

Die Subspecies Abies alba subsp. equi-trojani wird heute als Abies nordmanniana subsp. equi-trojani geführt.


Merkmale

Abies alba drawing file 155KB.jpg

Wuchs

Die Weiß-Tanne hat einen sehr gerade durchgehenden Stamm mit zylindrischer Form und eine kegelförmige Krone. Sie kann bis zu 55 Meter hoch und etwa vier bis sechs Meter breit werden. Die im unteren und mittleren Bereich waagrecht abstehenden Äste stehen quirlig am Stamm, die Krone ist im Alter meist abflacht und bildet ein sogenanntes Storchennest.

Holz und Rinde

Harzblase an einer Weiß-Tanne

Sowohl das Kern- als auch das Splintholz der Weiß-Tanne sind hell und lassen sich farblich nicht voneinander unterscheiden. Es ist gelblich weiß und leichter als das Holz anderer Nadelhölzer. Die Jahresringe sind aufgrund des fast weißen Frühholzes und des dunkelroten Spätholzes gut erkennbar. Das Holz ist wenig dauerhaft und gegenüber Insekten- und Pilzbefall kaum widerstandsfähig. Es ist witterungsbeständiger und spröder als das der Gemeinen Fichte (Picea abies). Das Holz von Abies alba harzt nicht, da sich Harzkanäle nur in der Rinde befinden.
Die Rinde ist anfangs dunkelgrau und besitzt Harzbeulen, wird mit dem Alter silbergrau, flachschuppig mit rechteckigen Schuppen. Plötzliches Freistellen kann zu Rindenbrand führen.

Nadelunterseite von Abies alba mit weißen Wachsstreifen.
Zweig von Picea abies mit vorspringenden Nadelkissen.
Zapfen von Picea abies

Nadeln

Die kurz gestielten und ledrigen Nadeln werden bis zu 3 Zentimeter lang und 3 Millimeter breit. Die Größe und Form variieren je nach Baumalter und der Stellung der Nadeln in der Krone: Lichtnadeln sind kürzer, steifer und schmaler als Schattennadeln.
An den Zweigen sind die Nadeln spiralig angeordnet und stehen an den Gipfeltrieben und an lichtexponierten Seitentrieben radial ab. An schattigen Kronenteilen stehen sie horizontal gescheitelt und es tritt meistens eine Anisophyllie auf, das heißt, dass sich in Doppelreihen die benachbarten Nadeln in der Form und Größe kaum unterscheiden.
Die Knospen sind eiförmig, hell rotbraun und harzfrei. Sie treiben Anfang Mai aus, und die Nadeln haben eine Lebensdauer von sieben bis elf Jahren, fallen normal nach 8 bis 12 Jahren ab.

Die Nadeln sind ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Picea abies. Bei Abies alba sind die Nadeln kammförmig gescheitelt, haben eine rundliche Spitze und einen flachen Querschnitt. Ihre Oberseite ist glänzend dunkelgrün, auf der Unterseite befinden sich zwei weiße Wachsstreifen.

Abies alba Picea abies
Nadelspitze rundlich spitz
Nadelquerschnitt flach vierkantig
Nadelunterseite 2 weisse Wachsstreifen
Länge 2 bis 3,5 cm 1 bis 2 cm
Nadelansatz polsterförmige Basis

entnadelte Zweige glatt

vorspringende Nadelkissen

entnadelte Zweige rauh und gefurcht

Blüten und Früchte

Zapfen von Abies alba

Abies alba ist eine einhäusige Pflanze; die hängenden männlichen Einzel-Blüten sind rötlich, 2 - 2,5 cm lang und sitzen einzeln in Blattachseln. Die weiblichen Blüten sind hellgrün, 2,5 - 3 cm lang, und stehen in zylindrisch zapfenförmigen, hellgrünen Blütenständen aufrecht auf den Zweigen. Die windbestäubten Blüten erscheinen im Mai.
Weiß-Tannen blühen erst mit etwa 30 bis 50 Jahren; eine stärkere Blüte tritt dann nur alle 3-5 Jahre auf.

Die zum Herbst reifenden Zapfen sind zunächst grünlich-gelb, mit der Reife dann dunkelbraun. Sie sind, ebenso wie die Nadeln, ein gutes Unterscheidungsmerkmal zwischen Tanne und Fichte:

Die Zapfen von Abies alba sind etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter lang und stehen aufrecht am Zweig. Sie zerfallen nach der Reife am Baum, wobei die Spindel am Zweig stehen bleibt. Die geflügelten Samen werden durch den Wind verbreitet.
Die Zapfen von Picea abies hängen am Zweig und fallen im Ganzen herunter. Zapfen, die man am Boden findet sind also nie Tannen-, sonder immer Fichtenzapfen.

Wurzelsystem

Die Weiß-Tanne bildet als Sämling eine Pfahlwurzel, hat später ein tiefreichendes Herzwurzelsystem, wodurch sie auch tiefere Bodenschichten für die Wasserspeicherung erschließen kann. Zudem verleiht es ihr bei Stürmen eine hohe Standfestigkeit. Die Wurzeln sind im Allgemeinen empfindlich gegen Verdichtungen aller Art, geringes Einschütten mit lockerem Material wird aber toleriert.

Verbreitung

Das natürlich Verbreitungsgebiet von Abies alba besteht in Europa in Gebirgsräumen auf einer Höhe von etwa 400 bis 1000 Metern. Sei kann auch noch bis zu einer Höhe von 1500 Metern vorkommen, dann allerdings mit Krüppelwuchs. Im Tiefland kommt sie von Natur aus nicht vor, dort findet man aber oft gepflanzte Exemplare.

Man findet die Weiß-Tanne typischerweise in reinen Tannen- oder auch Mischwäldern, häufig gemeinsam mit Buchen.

Standort

Detail von 'Pendula'

Was die Lichtverhältnisse angeht, ist Abies alba sehr vielseitig, sie wächst auf sonnigen bis schattigen Standorten, mag es in der Jugend allerdings lieber schattig. Bei allen anderen Standortfaktoren ist sie sehr anspruchsvoll. Sie benötigt luftfeuchte Lagen und ist äußerst empfindlich gegen jede Art von Boden- oder Luftverschmutzung.

Abies alba wächst auf schwach sauren bis alkalischen (pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5), sandig-humosen Lehm- und Tonböden. Der Boden muss frisch bis feucht, tiefgründig und nährstoffreich sein.

Lebensbereich nach Prof. Dr. Sieber:

  • Freiflächen
Die Sorte 'Pendula'

Sorten

Es gibt wenige Ziersorten, die jedoch kaum angeboten werden.

  • Abies alba 'Compacta'
  • Abies alba 'Pendula'
  • Abies alba 'Pyramidalis'

Verwendung

Die Weiß-Tanne ist ein wichtiger Forstbaum in Gebirgslagen, wegen der hohen Empfindlichkeit gegen Umwelteinflüsse ist sie für den Stadt- und Siedlungsbereich nicht geeignet. Als Weihnachtsbaum ist sie noch immer beliebt, vor allem, weil sie im Gegensatz zur Fichte nicht nadelt.

Die Einsatzmöglichkeiten im Garten sind aufgrund ihrer Empfindlichkeit sehr begrenzt; sie sind selten in Gärten und Parks zu finden, wäre dort geeignet als Bienenweide. Im Siedlungsbereich sind sie wegen der dort ungünstigen Voraussetzungen kaum verwendbar.

Holznutzung

Das größte freitragende Holzdach der Welt auf der Expo 2000 in Hannover. Die Konstruktion besteht aus Tannenholz.

Da das Holz sehr leicht und elastisch ist, dabei kaum schwindet, ist es ein wertvolles Bau- und Konstruktionsholz, wurde für Schiffsmasten und Drechslerarbeiten genutzt. Beim Instrumentenbau wird es als Resonanzholz geschätzt, beispielsweise für den Bau von Orgelpfeifen.

Volksheilkunde

Nadeln

Aus den Nadeln wird durch Destillation Öl oder Tannennadelextrakt gewonnen. Diese werden zu Tees oder Lösungen weiterverarbeitet, die bei Atemwegserkrankungen zur Anwendung kommen.

Zapfen

Aus den Fruchtzapfen wird durch Wasserdestillation das sogenannte "Oleum Templini" gewonnen. Äußerlich angewandt hilft es bei Muskelkater und Blutergüssen, es ist außerdem ein Bestandteil des Franzbranntwein.

Da es farblos und fein duftend ist wird es auch gerne in Badelösungen oder in der Parfüm- und Seifenherstellung eingesetzt.

Samen

Die zerquetschten Samen werden mit Wasserdampf destilliert, wodurch das ätherische Öl gewonnen wird. Es wird vor allem in Badezusätzen und zur Inhalation ververarbeitet. Bei Erkältungen wird es als Balsam angewandt.

Harz

Das Harz der Rinde wird zum sogenannten Straßburger Terpentin verarbeitet. Hierfür werden die Blasen angezapft, in denen sich das Harz unter der Rinde sammelt und die bei Hitze sichtbar werden. Es soll bei Quetschungen und Verstauchungen helfen soll und als Pflaster die Durchblutung fördern. Das Kauen von Tannenharz diente im Mittelalter dazu, das Zahnfleisch zu stärken und vor Zahnverfall zu schützen.

Hildegard von Bingen schrieb über das Tannenharz: ...es wird auch diß Harze zu den frischen Wunden gebrauchet/denn es heilet und heftet dieselbe zusammen...

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Krankheiten und Schädlinge

Die Weiß-Tanne wird von einer Vielzahl an Schadpilzen befallen, die vor allem in feuchten Muldenlagen und dichten Beständen Schäden verursachen.

Bei offenen Wunden ist die Tanne anfällig gegen Pilzkrankheiten. Besonders Hallimasch-Pilze können die Bäume schädigen, da sie Kern- und Stockfäule verursachen können und die Pflanzen stärkeren Winden nicht mehr standhalten. Rotfäule verursacht geringere Schäden als beispielsweise bei Fichten.

Das seit etwa 200 Jahren zu beobachtende Tannensterben ist eine Krankheit, deren primäre Ursache noch unbekannt ist, das aber unter anderem auf Dürreperioden, Insekten, den Hallimasch und die zunehmende Luftverschmutzung zurückgeführt wird. Es führt in periodischen Abständen zum allmählichen Absterben von alten und auch jungen Exemplaren, wobei die älteren vor den jüngeren erkranken. Symptome sind vor allem das Abfallen der Nadeln (von unten nach oben und von innen nach außen) sowie ein sich bildender Nasskern.

Siehe auch

Literatur

  • Georg W. Kröger, Peter Kiermeier: BdB Handbuch Wildgehölze. 8. Auflage. Verlagsgesellschaft "Grün ist Leben" mbH, Pinneberg 1996.
  • Hans-Dieter Warda: Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze. 2. Auflage. Bruns Pflanzen Export GmbH, Bad Zwischenahn 2001, ISBN 3-9803833-3-4.
  • Doris Laudert: Mythos Baum. 2. Auflage. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München 1999, ISBN 3-405-15350-6.
  • Norbert Lagoni: Arzneiliche Anmerkungen zur Tanne (PDF), bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, abgerufen am 27. Oktober 2009


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