Betula pendula

Aus Hortipedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hortipedia Commons %LABEL_PRINTING QR Code

Betula pendula Roth

Betulaceae

Lebensform: Baum
Verwendung: Zierpflanze

Standort: Sonne   2

Bodenfeuchte: trocken bis Bodenfeuchte: feucht

Bodenart: Sand - Bodenart: sandig-kiesig - Bodenart: sandiger Lehm - Bodenart: steiniger Lehm - Bodenart: sandiger Ton - Bodenart: lehmiger Ton - Bodenart: Torf

Blattstand: wechselständig
Blatt: Sommergrün

Blattform: rautenförmig

Blattgliederung: einfach

    

Bl&uuml;tenform: radf&ouml;rmig<br>vierz&auml;hlig
Frucht: Fl&uuml;gelnuss

151B / b0a610 

Knospenanordnung: &Auml;hre

Bl&uuml;te: einfach
Bl&uuml;tenhabitus: h&auml;ngend

Kronenform: schmal kegelf&ouml;rmig

Taxonomie

Divisio:
Magnoliophyta
Subdivisio:
Magnoliophytina
Classis:
Rosopsida
Subclassis:
Hamamelididae
Superordo:
Faganae
Ordo:
Corylales
[Bearbeiten]   [Versionen]

Betula pendula, die Sand-Birke, auch Hänge-Birke, ist ein in fast ganz Europa von Sibirien bis Kleinasien beheimateter Baum mit sehr vielgestaltiger Wuchsform.

Namensherkunft

Betula pendula wurde 1788 von Albrecht Wilhelm Roth beschrieben und benannt.

Deutsche Namen

  • Hänge-Birke
  • Sand-Birke
  • Warzen-Birke
  • Weiss-Birke
Illustration: Betula pendula

Taxonomie

Betula pendula ist eine Art aus der Gattung Betula, die circa 133 bis 211 Arten umfasst und zur Familie der Betulaceae (Birkengewächse) gehört.

Merkmale

Betula pendula als Stadtbaum
Habitus-Vergleich:
B. pubescens < > B. pendula
Betula pendula - Rinde
Betula pendula - Zweige
Betula pendula - Stamm

Wuchs

Die Bäume sind vergleichsweise schnellwüchsig und kurzlebig; als Höchstalter wird 150 Jahre angegeben. Sie werden 22 bis 25 (30) Meter hoch und haben bei einem schlanken, meistens durchgehenden Stamm eine lockere, oft schmal kegelförmige Krone mit einer Breite von 7 bis 12 Metern. Die Äste sind ausgebreitet und die feinen Zweige hängen oft lang herunter. Hauptwachstumszeit ist im Frühjahr und im Sommer.

Holz und Rinde

Die Hänge-Birke ist ein Splintholzbaum, im Alter wird manchmal ein Kern gebildet. Die Holzfarbe ist weiß bis rötlich-gelb. Das mittelschwere Holz ist weich, aber zäh und elastisch.
Die Rinde junger Triebe ist grau bis dunkelbraun und mit Harzdrüsen besetzt; später ist sie weiß und abrollend. Die Borke an den Stämmen ist tief gefurcht, grausilber und rissig, an der Basis schwarz.

Blätter

Betula pendula ist sommergrün. Die einfachen, dunkelgrünen Blätter sind wechselständig angeordnet. Sie treiben früh aus, sind rautenförmig, fein gezähnt und gestielt. Die Belaubung der Pflanzen ist locker, im Herbst nehmen die Blätter eine attraktive hellgelbe Färbung an.

Blüten und Früchte

Die Hänge-Birke ist einhäusig (diözisch), weibliche und männliche Blüten sind getrennt auf einer Pflanze; die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Während der Blütezeit von März bis Mai ist Betula pendula recht attraktiv. Die Pflanzen tragen dann, getrennte weibliche und männliche Blütenkätzchen.
Die hängenden männlichen Kätzchen sind gelblich bis braun und bis zu 10 cm lang. Die grünen weiblichen Blütenkätzchen sind nur bis zu 3 cm lang und stehen aufrecht, als Fruchtkätzchen hängen sie dann.

Birken können bereits im Alter von 5 Jahren Samen ansetzen. Die Samen reifen im Juli bis September. Die Samen sind etwa 3 Millimeter lange Nüsschen, die dünnhäutig geflügelt sind; pro Blütenkätzchen entwickeln sich ca. 450 Samen. Die leichten Samen werden durch den Wind verbreitet und keimen bei ausreichend Feuchtigkeit sofort, sonst im darauffolgenden Frühjahr.

Wurzelsystem

Die Pflanzen bilden ein herzförmiges Wurzelsystem, mit flach streichenden Haupt-Wurzeln und sehr vielen Feinwurzeln in der obersten Bodenschicht.
"Wenn die Pflanze nicht spätestens in 30 cm Tiefe reichlich Wasser findet, geht sie weithin suchen und trocknet dabei Alles und Jeden aus; Birken sind schlimme Nachbarn." (Zitat 'OGG')
Durch die flachen oberflächennahen Wurzeln werden oft Pflaster und Platten angehoben; im Rasen zeichnet sich der durchwurzelte Bereich oft durch Trockenschäden deutlich ab.

Verbreitung

Betula pendula stammt aus Europa und Westsibirien (bis zum Jenissei). Hier kommen sie vor in lichten Wäldern, auf mageren Standorten, Mooren und Heiden, auf meist sauren Böden.
In Mitteleuropa ist sie die wichtigste Pionierbaumart, die als erste Brach-, Trümmer- und Kahlflächen besiedelt.

Standort

Die Bäume bevorzugen einen sonnigen Standort auf feuchten bis trockenen Böden. Das Substrat sollte sandig, sandig-kiesig, sandig-lehmig, kiesig-lehmig, sandig-tonig, lehmig-tonig oder torfhaltig sein und einen pH-Wert zwischen 5 und 7,5 aufweisen. Für eine gute Entwicklung benötigen die Pflanzen eine Oberbodendicke von mindestens 61 Zentimetern. Sie vertragen Temperaturen bis -45°C (WHZ 2) und benötigen eine frostfreie Periode von mindestens 13 Wochen. Die Pflanzen eignen sich als Bodenfestiger für Randbereiche an Wasserflächen stehender natürlicher Gewässer.

Lebensbereich nach Prof. Dr. Sieber:

  • Freiflächen

Toleranz spezieller Standortbedingungen

  • keine Toleranz: sauerstoffarme Böden
  • geringe Toleranz: salzhaltige Böden, zeitweise trockene Böden, kalkhaltige Böden
  • hohe Toleranz: Stadtklima, Streusalz

Verwendung

Geeignet bedingt für Heidegärten und für Dachgärten, außerdem geeignet als Friedhofsgrün, Alleebaum, Kübelpflanze, Solitär, Verkehrsbegleitgrün, kleinkroniger Straßenbaum, und als Vogelschutzgehölz. Durch ein mäßiges Angebot an Pollen und das Auftreten von Honigtau (nach Läuse-Befall) auch geeignet als Trachtpflanzen zur Bienenweide.
Besonders zierend bei Betula pendula ist auch ihre attraktive Herbstfärbung. Besser für Parkanlagen und Gärten geeignet sind die etwas schwächer wachsenden Sorten.

Zur Produktion von Feuerholz sind die Pflanzen nur mäßig gut geeignet.

Pflege und Vermehrung

Grundsätzlich sind die Pflanzen als relativ pflegeintensiv einzustufen: Die Samen keimen reichlich und überall dort, wo es hell und feucht genug ist (Mit Vorliebe auch in Dachrinnen und in Ritzen von Mauerkronen).
Eine Pflanzung soll nur im Frühjahr erfolgen, Schnittmaßnahmen sollen nur in der Vegetationsruhe von Oktober bis Januar vorgenommen werden. Schnitt an stärkerem Holz wird schlecht vertragen; Einkürzen von Kronenteilen kann leicht zum Ausfaulen des Stammes und damit zum Totalschaden führen.

Hängebirken sind nicht zum Stockausschlag und zu vegetativer Vermehrung befähigt; Vermehrung nur durch Aussaat. Sorten werden auf Sämlinge veredelt.

Sorten

Krankheiten und Schädlinge

  • Die Birke gehört zu den heimischen Baumarten mit besonders vielen an sie angepassten wirbellosen Tierarten, davon sind 133 Arten mehr oder weniger stark auf die Birken spezialisiert. Eine spezialisierte Käferart ist z.B. der Birken-Blattroller (Deporaus betulae, Rhynchitidae), der den vorderen Teil der Blattspreite in einen kunstvolles, tütenförmiges "Päckchen" umbaut, in das er seine Eier ablegt. Eine auffallende spezialisierte Art ist die Große Birkenblattwespe. Die Birkenwanze kommt zwar auch an anderen Laubbäumen vor, ist aber auf Birke besonders häufig. Diese Art kann dem Menschen bei Massenflügen im Herbst gelegentlich lästig werden. Vogelarten mit einer gewissen (aber keinesfalls exklusiven) Bindung an die Birke sind Birkenzeisig und Polar-Birkenzeisig.[1]
  • Vielfältiger Besuch bei Betula pendula:
  • Unter dem Stichwort "Ökologie" und insbesondere auch "Vogelschutz- und Vogel-Nährgehölz" sollte, wegen der allgemeinen Wüchsigkeit und Anspruchslosigkeit der Art, die Regelung der meisten "Kalamitäten" (Außer bei teureren 'Zier-Sorten') den Vögeln und der Natur überlassen werden:

Blattflecken und welke Blüten deuten auf Anthraknose hin. Dies ist eine Pilzerkrankung die die Pflanze zum Absterben bringt. Die befallenen Pflanzenteile sollten entfernt und vernichtet werden. Bessere Belüftung und Hygiene wirken vorbeugend.

Honigtau, Gallen oder gekräuselte Blätter deuten auf einen Befall durch Blattläuse hin. Abhilfe schafft ein Insektizid oder biologische Schädlingsbekämpfung, zum Beispiel mit Schlupfwespen oder räuberischen Mücken.

Offene Wunden an Wurzeln und Sprossen, oft einhergehend mit erhabenen Borkenringen und Pusteln deuten auf eine Pilzerkrankung hin. Die befallenen Teile sollten entfernt und vernichtet werden.

Mehlige Absonderungen an Blättern, Blüten oder Früchten deuten auf Raupenbefall hin. Abhilfe schafft das Absammeln der Raupen, der Einsatz eines Insektizids oder biologische Schädlingsbekämpfung.

Blattflecken deuten auf eine Pilz- oder Bakterienerkrankung hin. Bakterielle Flecken sind eher eckig und gelb umrandet, Pilzflecken normalerweise rundlich mit einer Zone mit Fruchtkörpern. Die befallenen Teile sollten entfernt werden, bei einer Pilzerkrankung wird zusätzlich ein Fungizid eingesetzt.

Verfärbte Blätter und Gänge in den Blättern deuten auf einen Befall durch Blattminierer hin. Das betroffene Laub sollte entfernt und verbrannt werden.

Braune, orange oder gelbliche Pusteln auf Sprossen oder Blattunterseiten werden wahrscheinlich durch Pilzbefall (Rost) hervorgerufen. Die befallenen Pflanzenteile sollten entfernt und ein Fungizid eingesetzt werden. Außerdem sollte die Belüftung verbessert und die Luftfeuchtigkeit verringert werden.

Deformierte und verfärbte Blüten und Blätter deuten auf eine Viruserkrankung hin. Befallene Pflanzen sollten entfernt werden. Desweiteren sollte die Ausbreitung durch Insekten verhindert werden.

Mensch und Betula

Birken-Arten werden aufgrund ihrer frischen Ausstrahlung und der weißen Färbung der Borke gerne als Zierpflanze in Gärten, Parks und Alleen gepflanzt, aber:

Birkenpollen sind die bedeutendsten und aggressivsten Baumpollenallergene. - Der Anteil jener Allergiker, die speziell auf Birkenpollen reagieren, stieg in den letzten 20 Jahren laut HNO-Klinik der Universität Wien von 35 % auf 50 % aller Pollenallergiker an.


Medizinische Inhaltsstoffe: [2]

Die Blätter (Betulae folium) der meisten Birkenarten enthalten nennenswerte Mengen an Flavonoiden, Saponinen, Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Vitamin C. Die Rinde enthält Phytosterine sowie Terpene wie Betulin, Betulinsäure und Lupeol; der Rindensaft u. a. Invertzucker, sodass dieser auch vergoren werden kann. In Finnland wird der Zuckeraustauschstoff Xylitol aus Birken gewonnen. In Mitteleuropa wurde vor allem die heimische Sandbirke bereits historisch in der Volksmedizin genutzt. Ihre Bestandteile gelten insbesondere als blutreinigend, harntreibend und anregend, weshalb sie heute in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) Verwendung findet.

Verwendet werden die Blätter, die Blattknospen und der Birkensaft (durch Anzapfen gewonnen). In der Heilkunde finden die Blätter aufgrund ihrer harntreibenden Wirkung bei Rheuma, Gicht und Wassersucht Verwendung. Sammelzeit für Blattknospen ist März, für Birkensaft März bis Mai und für Blätter Mai bis Juni. Mit Birkensaft wurden schlecht heilende Wunden gereinigt und Ausschläge und Schuppen behandelt.

Anwendungen der Kosmetik:

Durch das Abzapfen des Stammes oder Anschneiden von Ästen wird der für wenige Wochen im Frühjahr fließende Birkensaft gewonnen. Er soll gegen Haarausfall gut sein. Vornehmlich im letzten Jahrhundert wurde Birkensaft zur Herstellung von Birken-Haarwasser verwendet. Der Saft kann äußerlich angewandt oder direkt getrunken werden.

Nahrungsmittel:

Birkenblätter sind im Gegensatz zu den meisten Baumblättern essbar. Da der Birkensaft zuckerhaltig ist, lässt er sich in vergorener Form als Birkenwein genießen, ein heute noch in Russland beliebter bäuerlicher Rauschtrunk. Birkenwein wurde auch als Stärkungsmittel für impotente Männer verwendet.


Aeskulap  Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen

Einzelnachweise

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4nge-Birke#Fauna Wikipedia, "Hänge-Birke"
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Birken#Medizinische_Inhaltsstoffe

Literatur

  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  • Christoper Brickell (Editor-in-chief): RHS A-Z Encyclopedia of Garden Plants. Third edition. Dorling Kindersley, London 2003, ISBN 0-7513-3738-2. (engl.)


HP Blatt grün 05-05-72 graphic file 1KB.gif
Baum des Jahres in Deutschland HP Blatt grün 05-05-72 graphic file 1KB.gif

1989 Quercus robur | 1990 Fagus sylvatica | 1991 Tilia platyphyllos | 1992 Ulmus glabra | 1993 Cormus domestica | 1994 Taxus baccata | 1995 Acer platanoides | 1996 Carpinus betulus | 1997 Sorbus aucuparia | 1998 Pyrus pyraster | 1999 Salix alba | 2000 Betula pendula | 2001 Fraxinus excelsior | 2002 Juniperus communis | 2003 Alnus glutinosa | 2004 Abies alba | 2005 Aesculus hippocastanum | 2006 Populus nigra | 2007 Pinus sylvestris | 2008 Juglans regia | 2009 Acer pseudoplatanus | 2010 Prunus avium | 2011 Sorbus torminalis | 2012 Larix decidua | 2013 Malus sylvestris | 2014 Quercus petraea | 2015 Acer campestre


Non-commercial Links

Das könnte Sie auch interessieren

Commercial Links