Calluna vulgaris

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Calluna vulgaris (L.) Hull

Ericaceae

Lebensform: Strauch
Verwendung: Nutzpflanze / Verwendung: Zierpflanze

Standort: Sonne   6

Bodenfeuchte: trocken bis Bodenfeuchte: feucht

Bodenart: Sand - Bodenart: sandiger Lehm - Bodenart: Torf

Blattstand: kreuzgegenständig
Blatt: Immergrün

Blattform: lineal

Blattgliederung: einfach

Blütenform: glockenförmig
Frucht: wandspaltige Kapsel

70B / 9e2970 

Knospenanordnung: Traube

Blüte: einfach
Blütenhabitus: nickend

Wuchsform: buschig

Taxonomie

Divisio:
Magnoliophyta
Subdivisio:
Magnoliophytina
Classis:
Rosopsida
Subclassis:
Dilleniidae
Superordo:
Ericanae
Ordo:
Ericales
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Calluna vulgaris, umgangsprachlich Besenheide, Heidekraut, Sommerheide oder Herbstheide, (Falsch auch oft "Erika" genannt), ist ein langsamwüchsiger Zwergstrauch mit den typischen Blütentrauben der Erikagewächse. Die immergrünen Blätter sind im Winter rot überlaufen.

Namensherkunft

Calluna vulgaris wurde bereits von Carl von Linné beschrieben; er verwendete ab 1753 die Bezeichnung Erica vulgaris. Erst 1808 wurde von dem englischen Botaniker John Hull die Umbenennung in Calluna vorgenommen, in die heute gültige Systematik.

Der Gattungsname bezieht sich auf das griechische kállos "Schönheit", kallýnein "rein machen, ausfegen, schön machen", wegen der von Alters her gebräuchlichen Verwendung als 'Reisig-Besen' = "Besenheide".

Taxonomie

Die Besenheide ist die einzige Art aus der Gattung Calluna , welche zur Familie der Ericaceae (Erikagewächse) gehört.

Man geht davon aus, dass sich Calluna im Tertiär, also vor mehr als einer Million Jahren, vom Stamm der Ericoidae abgelöst hat.

Merkmale

Wuchs

Der kleine, meist stark verzweigte Strauch wächst aufgerichtet, in schneereichen Gebieten kann er niederliegen mit aufgerichteten Spitzen. Er wird je nach Standort 15 bis 100 cm hoch, unter besonders günstigen Lagen auch bis 150 (200) cm.

Holz und Rinde

Die Triebe sind im Jugendstadium krautig, dann zäh verholzt.

Blätter

Pflanzen-Details

Die Blätter sind immergrün, mehr oder weniger schuppenförmig an den Ästchen anliegend und kreuzweise gegenständig angeordnet. Sie sind dunkelgrün-graugrün, schmallinealisch geformt, 1-4 mm lang. Im Winter färben sie sich oft bräunlich.

Das Laub der Sorten kann verschiedene Grünfärbungen aufweisen, aber auch silbergrau, gelb und mit roter oder rotbrauner Winterfärbung.

Blüten und Früchte

Die Blüten stehen an den Enden der diesjährigen Triebe in 3 bis 20 cm langen einseitig gewendeten Rispen. Es sind nickende, kurz gestielte Rosetten aus jeweils 4 kleinen Kronblättern und 4 größeren (bis 4 mm langen) gleich gefärbten Kelchblättern. Die Blütenfarbe der Wildform ist lila bis lilarosa, ganz selten auch weiß. Die Blütezeit erstreckt sich vom Hochsommer bis in den Herbst.

Die Früchte sind vielsamige braune kleine wandspaltige Kapseln. Die 0,3 mm langen Samen werden durch den Wind verbreitet.

Wurzelsystem

Calluna bildet tiefgehende und weitstreichende Hauptwurzeln, mit einem stark filzigen Fein-Wurzelwerk und bildet viele Adventiv-Wurzeln an den einzelnen Sprossen, auch an niederliegenden Zweigen.

Verbreitung

Torfbank mit Sämlingen

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Calluna vulgaris umfasst fast ganz Europa, vom Norden Skandinaviens und Island bis zur Nord-Türkei und Nord-Marokko, und sie wurde von schottischen Siedlern eingeschleppt im Norden Amerikas.

Calluna ist Charakterpflanze der europäischen Heide- und Moorlandschaften, besiedelt Heiden, Magerweiden, lichte Kiefernwälder, sandige Böschungen, kalkarme Felshänge, Moore. Ihr optimaler Lebensraum ist der maritime Klimabereich; andererseits gibt es eine vielfältige Anpassung, sowohl an Trockengebiete als auch an Feuchtgebiete.

Standort

Calluna-Moor

Die Besenheide bevorzugt einen sonnigen Standort, und verträgt Temperaturen bis - 23,3º C (WHZ 6a). - Lichter Halbschatten wird vertragen, doch führt zu deutlich geringerem Blütenansatz.

Sie wächst auf mäßig feuchten bis sommertrockenen, sauren, nährstoffarmen, humosen (Sand-, Stein-, Lehm-)Böden und Torfböden, sommerliche Hitze- und Trockenperioden werden gut vertragen.

Wo tiefer pH-Wert eines durchlässigen Oberbodens mit höheren Frühjahrs-Niederschlägen - oder auch Winterregen - und Sommertrockenheit zusammentrifft, ist die Besenheide zu Hause. Wochenlange Trockenzeiten von Juni bis September überstehen die Pflanzen in sonnenexponierter Lage. Als Schutz dienen ihnen ihre bizarr gewachsenen verholzten Triebe. Extreme Standorte, z.B. an Südhängen, führen zu rascher Verkahlung ("Vergreisung"), weil die Blättchen an den verholzten Trieben abfallen, und nur die Jahrestriebe mit Laub und Blüten bedeckt sind.

Verwendung

Calluna-Pflanzung

Noch vor 100 Jahren wurde Besenheide in der Landwirtschaft als Einstreu in den Ställen verwendet, und als Brennmaterial in den Häusern genutzt. Besen und Bürsten wurden aus Callunenzweigen hergestellt, Dächer von Ställen mit Besenheide eingedeckt.

Es wird reichlich Nektar gebildet, daher ist Calluna eine ausgezeichnete Bienenweide (= "Heide-Honig").

Eine Tradition hat Calluna vulgaris auch als Heilpflanze (siehe Heilkunde). - Uns interessieren vorrangig die vielen Kulturformen und Sorten, als wichtiger Bestandteil im Heidegarten.

Pflege

"Rundschnitt" gibt Lücken
"Teppich-Schnitt"

Calluna-Bestände werden in der Natur durch Beweidung (mit Heidschnucken) verjüngt. Dies beugt einer Vergreisung der Pflanzen vor, und Sämlinge bekommen das notwendige Licht zur Bestands-Verjüngung. Analog dazu müssen Calluna-Pflanzungen regelmäßig durch Rückschnitt verjüngt, d.h. 'im Trieb gehalten' werden. Sonst vergreisen die Pflanzen, lassen in der Blühwilligkeit nach, und brechen irgendwann zusammen. Schneidet man Calluna nun gleich nach der Blüte, nimmt man ihnen ihren eigenen Winterschutz. Auch die schöne Winterfärbung entfällt. Zumal es in der neuen Gruppe der 'Knospenblüher' eigentlich kein "Verblühen" mehr gibt. Der Rückschnitt sollte im März/April erfolgen, während der letzten Blütewochen der Winterheiden (Erica carnea). Danach sollte auch leicht gedüngt werden, damit ein gutes Durchtreiben erzielt wird (Heide blüht nur an den neuen Trieben!).

Die Schnittanleitung für einen pflegearmen Heideteppich sieht anders aus, als der Schnitt in der Kultur zur verkaufsfertigen Pflanze:

Um schöne runde Pflanzen zu erzielen, wird die Heidepflanze mit der Hand umspannt, und mit der Schere alles über die Faust hinausragende abgeschnitten. - Um den Teppich-Effekt im Heidegarten zu erreichen, soll hingegen nur von oben geschnitten werden; die seitlichen, flachwachsenden Triebe bleiben von der Schere verschont. Sie sollen sich ausbreiten und die Möglichkeit haben, Adventiv-Wurzeln zu bilden und Lücken zu schließen. Zumal aufkommende Sämlinge hier kaum erwünscht sind, weil diese nie die Eigenschaften ihrer (Sorten-) Eltern aufweisen.

Vermehrung

Anzucht von Calluna unter Lizenz

Die Aussaat von Calluna in Schalen oder im Frühbeetkasten ist möglich; sie erfolgt im März/April. Die feinen Samen keimen nur auf Torf. Nach entsprechender Vorkultur, mit Vereinzeln (Pikieren) und Umpflanzen, kann man die Pflanzen im Spätsommer an den vorgesehenen Standort auspflanzen. - Dies macht aber nur Sinn, wenn auf Sorten-Eigenschaften kein Wert gelegt wird: Die Sämlinge von Sorten haben nicht die gleichen Eigenschaften wie ihre Eltern, sie tendieren stets in Richtung 'Wildart'.

Die übliche Vermehrung geschieht durch Stecken von 3-4 cm langen Triebspitzen oder halbharten "Quirlen" im August/September, in ein gut drainiertes Substrat, z.B. Weißtorf/Sand-Gemisch, unter Folie. Die Bewurzelungszeit beträgt drei bis sechs Wochen, dann erfolgt die Überwinterung im unbeheizten Folienhaus. Ab Anfang Juni werden die Stecklinge dann gestutzt, um eine Verzweigung zu erreichen, zwei bis vier Wochen danach werden sie ins "Jungpflanzen-Beet" ausgepflanzt. Nach einem weiteren Kulturjahr ist die Ware dann ab August verkaufsfertig.

Die heute übliche Topkultur beginnt mit dem Stecken von Triebspitzen ("Federn") schon im Juni. Es folgt eine frostfreie Überwinterung, ein frühzeitigeres Stutzen ab Ende April, eine optimale Ernährung und regelmäßiger Pflanzenschutz gegen Pilzkrankheiten. Damit sind die Pflanzen - je nach Sorte - schon ab August marktreif.

Krankheiten und Schädlinge

Der Heideblattkäfer Lochmaea suturalis und seine Larven können in nassen Jahren starke Schäden anrichten. Der Käfer frisst Blätter und Triebspitzen ab, die Larven minieren in den Blättern und fressen sie aus, sodass sie wie vertrocknet aussehen.

Der Grauschimmel Botrytis cinerea ist ein Schwächeparasit. Er tritt auf als Pilzbefall bei ungünstiger Witterung oder schlechter Kulturführung, insbesondere bei der Stecklings-Vermehrung. Das Triebspitzensterben Glomerella ist ebenfalls als Schwächekrankheit anzusehen. Hiergegen werden in der Kultur oft vorbeugend Fungizide eingesetzt.

Calluna ist nur bedingt widerstandsfähig gegen Pilzbefall im Winter. Die Infektion der jüngeren Triebe mit Botrytis cinerea breitet sich bei Temperaturen ab +2° rasch aus und kann zum Absterben ganzer Pflanzen führen. Besonders leicht befallen werden dichte Bestände und das Innere der Pflanzenbüschel. Ebenfalls die "Graulaubigen" Sorten, welche durch ihre Oberflächenstruktur schlechter abtrocknen. Um hier vorzubeugen, soll der Heidegarten luftig und sonnig angelegt werden.

Ein Winterschutz ist für Calluna nicht erforderlich, alle Calluna-Sorten sind winterhart! - Bei Neupflanzungen ab Oktober wird allerdings empfohlen, Fichten- oder Tannenzweige zwischen die Pflanzen senkrecht in den Boden zu stecken, um die Wirkung von Sonne und Ostwind auf die, noch nicht genügend eingewurzelten, Pflanzen zu verringern. Dieser Schutz muss wegen des drohenden Pilzbefalls nach oben offen bleiben.

Arten und Sorten

Farben-Vielfalt

Es gibt nur diese eine Art. Doch das weite natürliche Verbreitungsgebiet der Calluna bedingt, dass die vielen, ursprünglich durch Auslese von Mutationen entstandenen, Sorten nicht alle die gleiche Winterhärte aufweisen.

Die heimische Besenheide ist sehr variabel, man kann am Naturstandort verschiedene Blütenfarben und -zeiten und auch abweichende Formen beobachten. Hieraus wurden eine Vielzahl von Formen ausgelesen, vegetativ vermehrt und die Klone als Sorten in Umlauf gebracht. Seit Jahrzehnten sind auch von verschiedenen Züchtern Sämlingsselektionen und auch gezielte Kreuzungen durchgeführt worden.

Inzwischen gibt es von Calluna vulgaris eine große Anzahl von wunderschönen Sorten, mit den unterschiedlichsten Laubfarben, Wuchsformen, Blütenfarben, -formen und -zeiten. Hiermit ist es möglich, mit geschickter Auswahl der Sorten, einen "Calluna-Garten" von August bis Oktober in Blüte zu haben. Hinzu kommen die Sorten aus der Gruppe der 'Knospenblüher', die in den letzten Jahren besonders den Vordergrund getreten sind.

Sorten-Gruppen:

Gefülltblühende und "Laubfärbende"
"Knospenblüher"

Einfachblühende Sorten: Grünlaubig, mit einfachen, ungefüllten Blüten

Gefüllblühende Sorten: Dicke Blüten, längere Blühdauer wegen verminderter Bestäubung

Buntlaubige Sorten: Silber- und gelb- und bronzefarbene, "Winterfärbende"

Knospenblühende Sorten: Sie verblühen nicht, weil die Kelchblätter sich nicht öffnen, die Blüten somit nicht bestäubt werden.

Sonderformen: Zwergwüchsige, flachwüchsige Sorten, Teppich- und Kissenbildende


Heilkunde

In der Heilkunde verwendet man traditionell die blühenden Sproßspitzen, welche im frischen Zustand verschiedene wirksame Inhaltsstoffe haben: Flavonglykoside, Gerbstoff, Arbutin, Ericolin, organische Säuren, Carotin, Stärke. - Medizinische Eigenschaften: Adstringierend, antiseptisch, harntreibend. - Ein Bad aus "Heidekraut-Absud" soll zur Stärkung der Muskeln beitragen, ebenso gegen Rheumatismus wirken. Ein Heidekraut-Aufguß wird als wirksam gegen Durchfall erwähnt, bei Nieren- und Blasenstein harntreibend, krampflösend, blutreinigend.

Sebastian Kneipp empfahl das Heidekraut wegen seiner entwässernden Eigenschaften bei Gicht und Rheuma. Calluna gilt ansonsten als ungiftig.

Aeskulap  Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen

Literatur

  • Dr. Horst-Herbert Witt: "Calluna- und Erica-Sortimente", Artikelsammlung im "TASPO-magazin", Juli 1989
  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  • Christoper Brickell (Editor-in-chief): RHS A-Z Encyclopedia of Garden Plants. 3. Auflage. Dorling Kindersley, London 2003, ISBN 0-7513-3738-2.
  • efloras.org

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