Ginkgo biloba

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Ginkgo biloba L.

Ginkgoaceae

Lebensform: Baum
Verwendung: Zierpflanze

Standort: Sonne   5

Bodenfeuchte: frisch bis Bodenfeuchte: feucht

Bodenart: sandiger Lehm - Bodenart: steiniger Lehm - Bodenart: sandiger Ton

Blattstand: wechselständig
Blatt: Sommergrün

Blattform: fächerförmig

Blattgliederung: einfach

              

Blütenform: keine Angabe
Frucht: Steinfrucht

4A / fbe432 

Knospenanordnung: Ähre

Blüte: keine Angabe
Blütenhabitus: hängend

Kronenform: breitkronig

Taxonomie

Divisio:
Pinophyta
Subdivisio:
Ginkgoophytina
Classis:
Ginkgoopsida
Subclassis:
Ginkgooidae
Ordo:
Ginkgoales
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Ginkgo biloba (=Salisburia adiantifolia, Salisburia biloba), umgangssprachlich Ginkgo (Ginko), (seltener auch Fächerblattbaum oder Tempelbaum) genannt, ist ein Baum, der bereits seit über 3000 Jahren als Ziergehölz kultiviert wird. Seine Beliebtheit beruht hauptsächlich auf seinen ungewöhnlich geformten Blättern und der leuchtenden Herbstfärbung.

Namensherkunft

Ginkgo biloba wurde 1771 von Carl von Linné beschrieben und benannt. Der Name entstand durch eine falsche Schreibweise des chinesischen Gin-kyo, was soviel bedeutet wie "Silberpflaume": Seine Früchte ähneln langgestielten Mirabellen.

Taxonomie

Taxonomisch nimmt der Ginkgo eine ausgesprochene Sonderstellung im Pflanzenreich ein, da bis heute noch kein Konsens über seine Zuordnung zu Magnoliophyta oder Pinophyta besteht. Die Blätter haben zwar keine große Ähnlichkeit mit anderen Nadelgehölzen, da die Früchte aber nicht von einem Fruchtknoten eingeschlossen werden wird Ginkgo biloba in einer eigenen Classis Ginkgoopsida in der Abteilung der Pinophyta eingeordnet. Er ist die einzige rezente Species in dieser Klasse und wird oft auch als lebendes Fossil bezeichnet, da andere Arten der Ginkgoopsida nur aus der Zeit vor dem Pliozän bekannt sind. Noch im späteren Tertiär, vor ca. 30 Millionen Jahren, war der Ginkgo auch in Mitteleuropa verbreitet. Erst die Eiszeiten haben ihn bis in eine kleines Gebiet in China verdrängt.


Merkmale

Junge Blätter
Tief eingeschnittene Blätter der Langtriebe
Leuchtende Herbstfärbung
Männliche Blüten
Früchte

Wuchs

Die Bäume werden 30 bis 40 Meter hoch und wachsen meist einstämmig mit einer zunächst kegelförmigen, später breiten, vielgestaltigen und locker aufgebauten Krone. Sie sind langsamwüchsig, in der Jugend oft sogar trägwüchsig; im Alter von 20 Jahren sind sie etwa 10 Meter hoch. Wachstumsperiode ist im Frühjahr und Sommer. Die Bäume sind langlebig und können Stämme mit einem Durchmesser von bis zu vier Meter entwickeln.

Im Handel sind verschiedene Sorten mit abweichenden Wuchsformen und auch verschiedenen Wuchsstärken.

Holz und Rinde

Die Rinde ist hellgrau bis graubraun und längsrissig, besonders an alten Exemplaren stark gefurcht . Die Langtriebe sind zunächst hellbraun-gelblich, später grau. Die Kurztriebe hingegen sind schwarzgrau. Die Internodien sind ein bis vier Zentimeter lang.

Blätter

Die sommergrünen Blätter sind frischgrün bis gelblich-grün, und sie ähneln in der Form den Blättern eines Frauenhaarfarns (Adiantum). Sie sind wechselständig angeordnet und drei bis zehn Zentimeter lang gestielt. Sie sind fächerförmig, gabelnervig und meist wellig gebuchtet oder eingeschnitten. Die Blätter sind bis zu 8 Zentimeter lang und breit. An jungen Bäumen könnnen sie auch bis zu fünfzehn Zentimeter breit sein. Die Blätter von Lang- und Kurztrieben unterscheiden sich deutlich. Erstere sind deutlich zweilappig mit eingeschnittenem Rand. Die Blätter der Kurztriebe sind gewellt und die Spreitenspitze ist gebuchtet. Es gibt eine Reihe von Sorten mit verschieden abweichenden Blattformen.

Im Herbst färben sie sich leuchtend gelb.

Blüten und Früchte

Die Knospen sind eiförmig und gelblich braun. Ginkgo biloba ist eingeschlechtlich zweihäusig mit unauffälligen Blüten. Die männlichen Blüten sind cremefarben und in bis zu zwei bis drei Zentimeter langen ährenartigen Kätzchen angeordnet. Die weiblichen Blüten sind lang gestielt (drei bis fünf Zentimeter) und stehen in Büscheln in den Blattachsen. Sie besitzen zwei Samenanlagen, von denen normalerweise jedoch nur eine Samen ausbildet. Die Bestäubung erfolgt in März und April.

Die langgestielten Früchte ähneln Mirabellen, sind fleichig mit Steinkern. Der Samen ist elliptisch bis rund mit einem Durchmesser von bis zu 3,5 Zentimeter. Die Sarkotesta ist gelb bis orangegelb, reif riecht sie unangenehm ranzig nach Buttersäure. Die Sklerotesta ist weiß mit zwei oder drei längslaufenden Erhöhungen. Die Samenreife erfolgt im September und Oktober. Die Samen sind essbar.

Wurzelsystem

Die Bäume sind Herzwurzler, mit kräftigen Wurzeln und tiefer Hauptwurzel.

Verbreitung

Ginkgo biloba stammt aus Süd-China, wo er auf lösshaltigen, sauren bis alkalischen und gut durchlässigen Böden in Lagen von 300 bis 1000 Metern, in einem nur 25 km² großen Areal vorkommt. Wilde Exemplare des Ginkgo sind rar, durch seine Beliebtheit als Ziergehölz kann man ihn jedoch in aller Welt antreffen.

Standort

Die Bäume brauchen einen sonnigen Standort. Sie vertragen Temperaturen bis -28°C (Winterhärtezone 5). Der Boden sollte frisch bis feucht und gut durchlässig sein. Am wohlsten fühlen sie sich auf sandig-lehmigen Böden, sie sind jedoch auch anderen Böden gegenüber ziemlich tolerant solange diese nährstoffreich sind. Das Substrat sollte einen pH-Wert zwischen 8 und 10 aufweisen.

Toleranz spezieller Standortbedingungen

  • hohe Toleranz: Stadtklima

Verwendung

Der Ginkgo eignet sich sehr gut als Solitärgehölz in weiten Rasenflächen. Wegen des Geruchs der Früchte sollten keine weiblichen Exemplare gepflanzt werden. Die Bäume sind extrem widerstandsfähig, sowohl gegen Umwelteinflüsse als auch gegen Schädlinge, und daher auch für das Stadtklima geeignet. Geeignet als Friedhofsgrün, Alleebaum, Solitär und als Verkehrsbegleitgrün.

Die Blätter werden medizinisch und zur Herstellung von Pestiziden genutzt. Die enthaltendne Flavenoide und Terpenoide sollen wirkungsvollen Antioxidantien sein. Das Holz wird in der Möbelherstellung verwendet, aus der Rinde kann Tannin gewonnen werden. Extrakte helfen bei altersbedingten Gedächtnisproblemen und bei Tinnitus. Noch nicht wissenschaftlich erwiesen ist der Einsatz bei Höhenkrankheit, Prämenstruellem Syndrom, altersbedingten Augenerkrankungen und durch Chemotherapien entstandene Gefäßschädigungen.[1]

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Pflege und Vermehrung

Normalerweise sind keine Pflegemaßnahmen notwendig, Ginkgo werden in Europa nicht von Schädlingen angegangen. Der Baum muss nicht beschnitten werden. Falsch wachsende Triebe bei jungen Bäumen können jedoch nach Bedarf im Frühjahr entfernt werden. Wenn bei einem Baum ein Ast stört, ist er genauso zu entfernen wie bei einem anderen Laubbaum. (Siehe auch: "Sommerschnitt an Gehölzen") Durch Beschneiden entstehende Wunden heilen sehr schlecht, daher sollte man große Schnitte vermeiden.

Die Vermehrung durch Aussaat direkt nach der Samenreife ist eine diffizile Angelegenheit, etwas für "Spezialisten und Fanatiker". Samen kann man gelegentlich von Baumschulen oder auch im Internet bekommen.

Im Sommer können Stecklinge genommen werden.

Varietäten, Sorten

(Auswahl)

  • 'Anny's Dwarf' - eine Zwergform mit auffallend geschlitzten Blättern, bildet kompakte Kronen
  • 'Fastiegata' - ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene schmalkronige, meist männliche Selektionen
  • 'Globus' - dicht und rund, sehr große Blätter
  • 'Horizontalis' - mit flach ausgebreiteten und leicht hängenden Zweigen, wird meist hochstämmig veredelt und bildet eine schirmförmige Krone aus
  • 'King of Dongting' - mit sehr großen Blättern, langsam wachsend
  • 'Mariken' - ist ein langsamwüchsiger kurztriebiger Zwergstrauch mit dicht geschlossener rundlicher Krone, wird meistens auf Stamm veredelt
  • 'Pendula' - mit überhängenden Zweigen und Ästen, bildet eine fast halbkugelige Schirmkrone aus
  • 'Princeton Sentry' - ist eine sehr widerstandsfähige, männliche Sorte mit aufrechtem, breit säulenförmigem Wuchs und nur aufrecht wachsenden Ästen
  • 'Saratoga' - mit kleinen gelbgrünen Blättern, langsam und rundlich wachsend, männlich
  • 'Tremonia' - mit pyramidaler Form, kleinwüchsig mit sehr großen Blättern, weiblich
  • 'Tubifolia' - langsam wachsender bizarrer kleiner Baum mit schlanken, röhrenförmig eingerollten Blättern
  • 'Umbrella' - kompakt wachsend, dicht bezweigt, mit unterschiedlichsten Blattformen
  • 'Variegata' - weibliche Form mit panaschierten Blättern, verschiedenartig goldgelb und weiß längsgestreift

Mensch und Ginkgo biloba

Ginkgo biloba in der Kunst

Unter anderem war auch Goethe vom Ginko fasziniert und widmete Marianne von Willemer folgendes Gedicht:

"Diese Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendiges Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwey, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?"

- Johann Wolfgang von Goethe , 1819

Symbolik

Das zweilappige Blatt wird oft als Symbol der innigen Vereinigung zweier Seelen verwendet.

Im Buddhismus ist Ginkgo biloba ein heiliger Baum und wird daher oft in der Nähe von Tempeln gepflanzt.

Siehe auch

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Belege

Literatur

  • Christoper Brickell (Editor-in-chief): RHS A-Z Encyclopedia of Garden Plants. 3. Auflage. Dorling Kindersley, London 2003, ISBN 0-7513-3738-2.

Einzelnachweise

  1. Ginkgo biloba bei der Mayo Foundation for Medical Education and Research (engl.)
es:Ginkgo biloba

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