Hochblatt

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Brakteen von Cornus kousa
Calycohyllie bei Emmenopterys henryi
Die Hüllblätter überragen die Zungenblüten beim Haferwurz (Tragopogon porrifolius)
Involucrum bei Astrantia major

Als Hochblätter bezeichnet man bei Pflanzen Blätter, die oberhalb der normalen Laubblätter stehen und von diesen in Form und Farbe abweichen.

Die Brakteen, auch Hochblätter, Hüllblätter oder Spelzen genannt, zählen eindeutig und leicht erkennbar zu den Blättern. Meist handelt es sich um reduzierte Blätter, bei denen nur das Unterblatt gut ausgebildet ist. Es gibt aber auch Fälle, wo Hochblätter nur in ihrer Farbe von den Laubblättern abweichen (Beispiel: "Weihnachtsstern"). In einem weiteren Sinn sind auch die Blätter der Blütenhülle nur ein Sonderfall von Hochblättern, da sie nicht direkt an den geschlechtlichen Vorgängen beteiligt sind.
Auch die Tragblätter von Blüten oder Teilblütenständen sind häufig als Hochblätter ausgebildet, also „brakteos“. Hochblätter sind aber nicht zwangsläufig Tragblätter von Seitensprossen bzw. Blüten; umgekehrt sind auch Tragblätter nicht immer hochblattartig ausgebildet.

Brakteen

Sie folgen im Pflanzenaufbau auf die Laubblätter (sitzen höher am Spross angeordnet). Sie gehören zum Blütenbereich, bilden oft einen Schutz für die junge Blüte, und sind meist stark vereinfacht und klein, um die die Schauwirkung der Blüten nicht zu beeinträchtigen.

Bei manchen Arten mit unscheinbaren Blüten sind es auch große und auffällig gefärbte Hochblätter, die anstelle der Blütenhülle die Schaufunktion zur Anlockung von Bestäubern übernehmen. Wir sprechen hier ganz allgemein von Brakteen.

Cyathium

Die Blüten der Euphorbien sind extrem reduziert und bestehen bei der weiblichen Blüte aus dem nackten Fruchtknoten mit dreiteiliger Narbe, bei der männlichen Blüte aus einem einzelnen Staubfaden. Jeweils eine weibliche Blüte und meist fünf Gruppen von männlichen Blüten sind in einer Cyathium genannten Scheinblüte zusammengefasst. Die fehlenden echten Blütenblätter werden durch auffallende Nektardrüsen des Cyathiums, blütenblattartige Anhängsel der Nektardrüsen oder blütenblattartige Hochblätter ersetzt.

Calycohyllie

In der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) gibt es eine Reihe von Gattungen, bei denen Calycohyllie auftritt, eine laubblattartige Vergrößerung und brakteenartige Färbung eines oder mehrerer Kelchblätter. [1]

Hüllblätter

Bilden mehrere Hochblätter eine kelchartige Hülle um einen Blütenstand, so spricht man auch von Hüllblättern.

Hüllblätter oder Involucralblätter sind bei Blütenpflanzen spezielle Hochblätter, die meist zu mehreren einen Blütenstand, wie Korb, Dolde oder Cyathium umgeben. Die Gesamtheit der typischerweise zu (Schein-)Wirteln genäherten Hüllblätter eines Blütenstandes heißt Involucrum.
Seltener sind auch Einzelblüten von Hochblättern umgeben, etwa bei den Küchenschellen (Pulsatilla) oder Leberblümchen (Hepatica). Umgeben sie eine Einzelblüte mit Kelch, wie bei Malven (Malva) und Skabiosen (Scabiosa), wird das Involucrum Außenkelch genannt.

Familien, die Hüllblätter bilden, sind besonders die Korbblütler (Asteraceae), die Kardengewächse (Dipsacaceae) und die Doldenblütler (Apiaceae). Bei den Doldenblütlern werden die Hochblätter der Dolden als Hülle (Involucrum) bezeichnet, die der Döldchen als Hüllchen (Involucellum).[2] In manchen Fällen ist das Involucrum zu einem Schauapparat umfunktioniert, wie bei der Großen Sterndolde (Astrantia major), wo es auffällig gefärbt ist und der Anlockung der Bestäuber dient. Bei der Linde dienen Hochblätter als Flug-Einrichtungen für die Verbreitung der Samen. Bei den Kletten (Arctium) sind die Hüllblätter zur Klettvorrichtung umgebildet, sodass sie am Fell von Tieren anhaften und so der Ausbreitung dienen[3].

Hochblatt mit Schutzfunktion bei Galanthus nivalis

Weitere Beispiele für Hoch- oder Hüllblätter sind:

Nachweise

  1. Focko Weberling: Die Inflorescencen. Gustav Fischer Verlag Jena, 1998, S. 34-36, ISBN 3-437-35436-1
  2. Gerhard Wagenitz: Wörterbuch der Botanik. 2. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2003, S. 161. ISBN 3-8274-1398-2
  3. Peter Leins: Blüte und Frucht. Morphologie, Entwicklungsgeschichte, Phylogenie, Funktion, Ökologie. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2000, S. 302. ISBN 3-510-65194-4

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