Zuletzt geändert am 23. Mai 2011 um 11:46

Orchidaceae


Namensherkunft

Diese jüngste aller Pflanzenfamilien wurde nach dem altgriechischen Wort Orchis (Hoden) benannt. Diesen Umstand verdankt sie hodenförmigen Pseudobulben (Scheinzwiebeln) welche bei einer Vielzahl von Orchideen auftreten. Auch das in Europa verbreitete Knabenkraut trägt diese Deutsche Bezeichnung aufgrund unterirdischer, hodenähnlicher Verdickungen.

Merkmale

Die Familie der Orchidaceae umfasst ca. 25.000 Naturarten. Diese sind in ca. 750 Gattungen eingeteilt. Genaue Angaben sind kaum möglich, da ständige Uneinigkeit über die Zuordnung der einzelnen Pflanzen herrscht. Auch werden immer noch verhältnismäßig oft neue Orchideen entdeckt.

Wuchs

Die Erscheinungsform der Orchideen ist sehr vielfältig. Die Größe variiert zwischen wenigen Millimetern und metergroßen Horsten. Man unterscheidet monopodiale und sympodiale Pflanzen. Monopodiale Pflanzen wie Phalaenopsis und Vanda haben nur eine Sprossachse welche sich nicht verzweigt. Sympodiale Pflanzen wie Cymbidium, Bulbophyllum oder Dendrobium bilden mehr oder weniger lange Rhizome auf welchen Pseudobulben sitzen. Diese Pflanzen lassen sich durch Teilung oder Kindelbildung vermehren.

Lebensräume

Nach ihrem Standort in verschiedenen Lebensräumen unterteilen wir die Orchideen in 3 Gruppen. In welchem Lebensraum die Pflanze natürlich vorkommt, ist für die Kultur von besonderer Bedeutung.

Terrestrisch

Als terrestrisch wachsende Orchideen werde solche bezeichnet, die im Boden oder in Bodennähe leben, z.B. in verrottenden Baumstämmen. Was für die meisten Pflanzen die Regel ist, ist bei Orchideen eher die Ausnahme.

Lithophytisch

Lithophyten bevorzugen steinige Unterlagen. Sie kommen in Felsspalten oder an Wasserfällen auf Stein sitzend vor. Solche Pflanzen sind häufig schwer unter künstlichen Bedingungen zu kultivieren.

Epiphytisch

Dies ist die häufigste Wuchsform der Orchideen. Die Pflanze sitzt auf Bäumen auf, dabei hält sie sich mit ihren Wurzeln an der Borke fest. Entgegen weit verbreiteter Ansichten sind epiphytische Orchideen keine Schmarotzer. Sie entziehen den Bäumen keine Nährstoffe sondern nutzen sie nur als eine Art Leiter, um dichter ans Licht zu gelangen. Trotzdem kann der Bewuchs eines Baumes mit Orchideen zu Problemen führen, denn das Gewicht der Epiphyten kann so groß werden, dass Äste brechen oder sogar der Baum umknickt.

Blüten und Früchte

Die Blüten der Orchideen bestehen aus sechs Blütenblättern. Der Dorsalsepale, zwei Lateralsepalen, zwei Petalen und der Lippe oder Labium. Der Bestäubungsapparat unterscheidet sich stark von dem anderer Blütenpflanzen. Das Prinzip ist ähnlich: Die großen, teils duftenden Blüten locken Bestäuber an, welche auf der Suche nach Nektar die Blüten aufsuchen. Doch Orchideen produzieren keinen Nektar, auch haben sie keine herkömmlichen Pollen. Die männlichen Bestäubungsorgane werden Pollinien genannt. Es handelt sich dabei um Pollensäcke mit einem sehr starken Klebstoff. Einmal am Bestäuber festgeklebt, lösen sie sich nicht wieder. Besucht ein Insekt mehrfach Orchideenblüten, kann es vorkommen, dass es aufgrund der vielen Pollinien nicht mehr fliegen kann.

Die Früchte der Orchideen enthalten viele winzige Samen. Diese haben kein eigenes Nährgewebe, und sie sind somit nicht in der Lage, eigenständig zu keimen. In der Natur sind sie zur Keimung auf einen Mykorrhiza-Pilz angewiesen, der den Samenkern im Anfangsstadium der Keimung ernährt. Sobald die junge Orchidee Photosynthese betreiben kann, ist sie allein überlebensfähig. Um Orchideen unter künstlichen Bedingungen zur Keimung zu bringen, werden die Samen auf einem Nährmedium aus Agar ausgesät. Dies geschieht unter absolut sterilen Bedingungen im Labor.

Wurzelsystem

Das Wurzelsytem, speziell der Epiphyten, ist sehr kräftig. Die Wurzeln sind von einem speziellen Gewebe, dem Velamen radicum, umgeben. Dieses Gewebe ist in der Lage große Mengen Wasser aufzusaugen und über längere Zeit langsam in die Pflanze abzugeben. Auf diese Weise ist die Pflanze vor Austrocknung geschützt. Die kräftigen und sehr breiten Wurzeln der Epiphyten dienen außer zur Wasser- und Nährstoffaufnahme und Speicherung auch der Verankerung auf Bäumen. In trockenem Zustand erscheinen die Wurzeln grau, werden sie nass, ändert sich die Farbe und die Wurzel ist grün. Die grüne Farbe kommt von dem in den Wurzeln enthaltenen Chlorophyll. Der besondere Umstand, dass Orchideen Chlorophyll in den Wurzeln bilden können, hat dazu geführt, dass epiphytische Orchideen in transparenten Töpfen kultiviert werden. Auf diese Weise kann die zusätzlich Photosynthesefläche genutzt- und somit das Wachstum verbessert werden. Einige Spezialisten wie die Gattung Chiloschista kommen sogar gänzlich ohne Blätter aus und überleben nur durch die in den Wurzeln betriebene Photosynthese.

Verbreitung

Orchideen sind überall zu finden. Der Großteil der Arten ist jedoch in den tropischen und subtropischen Regenwäldern beheimatet. In Europa gibt es ca. 540 Arten.

Standort

Auch der Standort ist sehr variabel. Allgemein lässt sich sagen, dass die wenigsten Orchideen direkte Mittagssonne vertragen und nicht über 25°C gehalten werden sollten.

Verwendung

Insbesondere werden Orchideen aufgrund ihrer Blüten als Zierpflanzen gehalten. Allerdings ist Vanilla planifolia eine wegen des aus ihr zu gewinnenden Vanille-Gewürzes angebaute Nutzpflanze.

Pflege

Ein allgemeine Pflegeanleitung fällt aufgrund der Vielfältigkeit schwer. Allerdings kann man sagen, dass es sehr viele anspruchslose Arten gibt, und die meisten Orchideen zu Tode gepflegt werden. Zu viel Wasser, gefolgt von zu viel Sonne und zu guter Letzt zu viel Dünger sind die häufigsten Todesursachen.

Belege

Literatur

  • Jack Kramer Englisch Hans-Georg Riebold 2006 "ORCHIDEEN", Weltbild GmbH Augsburg, 3-8289-1721-6
  • Jörg Pinske "ORCHIDEEN für jeden", BLV Buchverlag GmbH & Co.KG München, 3-405-16845-7

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