Neotinea ustulata

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Neotinea ustulata R.M.Bateman

Orchidaceae

Lebensform: Staude
Verwendung: Zierpflanze

Standort: Sonne   5

Bodenfeuchte: trocken bis Bodenfeuchte: frisch

Bodenart: sandig-kiesig - Bodenart: steiniger Lehm

Blattstand: rosettig
Blatt: Sommergrün

Blattform: lanzettlich

Blattgliederung: einfach

Blütenform: orchideenartig
Frucht: keine Angabe

60C / 89143a 

Knospenanordnung: Ähre

Blüte: einfach
Blütenhabitus: aufrecht

Wuchsform: keine Angabe

Taxonomie

Divisio:
Magnoliophyta
Subdivisio:
Magnoliophytina
Classis:
Liliopsida
Subclassis:
Liliidae
Superordo:
Lilianae
Ordo:
Orchidales
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Neotinea ustulata Basionym:Orchis ustulata ist eine Pflanzenart in der Familie der Orchidaceae (Orchideen). Es zählt zu den kleinsten Arten der Knabenkräuter. Die Art ist kalkliebend und besiedelt vor allem licht- und wärmeexponierte Wiesen der Mittel- und Hochgebirge. Das Brand-Knabenkraut gilt in Deutschland als stark gefährdet.

Namensherkunft

Ursprünglich wurde Neotinea ustulata 1753 von Carl von Linné in der 1. Auflage des Werkes "Species Plantarum (S.941)" als Orchis ustulata beschrieben. Der Name leitet sich vom Griechischen όρχις orchis = Hoden und ustulata, vom Lateinischen ustulatus = angebrannt, Brand- ab. Entsprechend lautete der deutsche Name Brand-Knabenkraut, Brandknabenkraut oder Angebranntes Knabenkraut. Er nimmt Bezug auf die schwarze Färbung des aufblühenden Blütenstandes.

Die Art wird erst seit jüngerer Zeit als Neotinea ustulata bezeichnet. Neotinea: von gr. νέος neos = neu und dem Namen des sizilianischen Botanikers Vincenzo Tineo (1791-1856); Die Einordnung in die Gattung Neotinea erfolgte unter Berücksichtung phylogenetischer Gesichtspunkte. Auch das nah verwandte Neotinea tridentata Basionym: Orchis tridentata (Dreizähnige Knabenkraut) wurde dort eingegliedert.

Deutsche Namen

  • Angebranntes Knabenkraut
  • Brand-Keuschorchis
  • Brandknabenkraut
  • Brand-Knabenkraut

Taxonomie

Bei einer Revision der Orchideenarten auf der Basis von genetischen Merkmalen wurde das Brand-Knabenkraut gemeinsam mit einigen weiteren Arten in die bis dahin monotypische Gattung Neotinea (Keuschorchis) als Neotinea ustulata (L.) eingeordnet[1]. Dieser Name wird heute teilweise bereits als gültiger neuer Name benutzt, hat sich jedoch bislang nicht vollständig durchgesetzt und ist auch bei Experten nicht unumstritten.

Neben dem gültigen Erstbeschreibungsnamen Orchis ustulata L. 1753, dem Basionym, gibt es zahlreiche Synonyme, die durch Neubeschreibungen entstanden sind:

Genetik und Entwicklung

Neotinea ustulata hat einen Karyotyp von zwei Chromosomensätzen und jeweils 21 Chromosomen (Zytologie: 2n = 42).

Der Samen dieser Orchidee enthält keinerlei Nährgewebe für den Keimling. Die Keimung erfolgt daher nur bei Infektion durch einen Wurzelpilz (Mykorrhiza). Die Dauer von der Keimung bis zur Entwicklung der blühfähigen Pflanze konnte noch nicht hinreichend bestimmt werden.

Merkmale

Wuchs

Neotinea ustulata ist ein zierlicher, sommergrüner, ausdauernder, krautig wachsender Knollengeophyt mit zwei kleinen, kugeligen bis eiförmigen Knollen als Überdauerungsorgan. Diese sind mit zahlreichen, sprossbildenden Nebenwurzeln versehen, so dass die Pflanze zur Büschelbildung neigt. Der schlanke, runde Stängel erreicht Wuchshöhen von 10 bis 50 Zentimetern und kann maximal 80 Zentimeter hoch werden.

Blätter

Neotinea ustulata - Blattrosette

Die fünf bis zehn Laubblätter sind bläulichgrün, ungefleckt und lanzettlich. Sie sind etwa 3 bis 10 Zentimeter lang, etwa 0,5 bis 2 Zentimeter breit und werden zum Blütenstand hin kleiner. Die Blätter umfassen den Stängel scheidig und am Grund rosettig.

Blüten und Früchte

Der Blütenstand ist reichblütig mit vielen sehr kleinen Blüten in einer walzenförmigen Ähre, die sich im Verlauf der Blüte streckt. Die Tragblätter sind nur wenig kürzer als der Fruchtknoten. Die Petalen (Kronblätter) und Sepalen (Kelchblätter) bilden einen 3 bis 4 Millimeter großen, fast kugelförmigen Helm, der außen dunkelpurpurn bis schwarz gefärbt ist. Das Labellum (Lippe) ist etwa 5 bis 8 Millimeter groß, tief dreilappig und weiß bis rosa gepunktet (selten reinweiß). Der Sporn ist etwa 1 bis 2 Millimeter lang, nach unten gerichtet und etwa halb so lang wie der Fruchtknoten.

Neotinea ustulata - Blütenstände
Blütezeit

Aufgrund der beträchtlichen ökologischen und geographischen Varianz erstreckt sich die Blütezeit der Art in Mitteleuropa insgesamt von April bis August. Dabei ist Neotinea ustulata subsp. ustulata frühblühend, Neotinea ustulata subsp. aestivalis spätblühend. Die einzelne Pflanze blüht etwa drei Wochen lang. An Standorten in milden Gegenden kann das Blühen von N. ustulata subsp. ustulata schon im letzten Aprildrittel beginnen; in den Alpen dagegen blüht sie oft erst im Juni auf. Da N. ustulata subsp. aestivalis offenbar eher in mittleren Lagen auftritt, blüht sie etwas einheitlicher von Juli bis August.

Bestäuber

Als Bestäuber für N. ustulata subsp. ustulata wird die Echinomyia magnicornis (Raupenfliege) [2][3] genannt; für N. ustulata subsp. aestivalis Leptura levida (Bockkäfer) und verschiedene Hummel-Arten. Der Fruchtansatz ist meist relativ hoch.

Verbreitung

Orchis ustulata von Sturm, Jacob: "Deutschlands Flora in Abbildungen" (1796), Stuttgart

Das Verbreitungsareal des Brand-Knabenkrautes erstreckt sich von Nordspanien über Mitteleuropa, die Alpenländer, Südskandinavien, Osteuropa bis nach Mittelsibirien und zum Kaukasus. Im Mittelmeerraum einschließlich Nordafrika ist das Brand-Knabenkraut selten. Es wird entsprechend seiner Verbreitung als mediterran, submediterran und atlantisch eingeordnet und als Florenelement der meridional/montanen, submeridionalen und temperaten Florenzone eingestuft. [4]

In Deutschland ist das Brand-Knabenkraut verbreitet am Alpenrand anzutreffen, zerstreut im übrigen Bayern (Altmühltal, Lechtalheiden, Fränkische Alb, Maintal, Spessart). Auch in Baden-Württemberg tritt es zerstreut auf, vor allem am Oberrhei und auf der Schwäbischen Alb. Seltener ist es in Rheinland-Pfalz und im Saarland (Region Mosel - Eifel). Weiter nördlich trifft man es nur selten bis sehr selten an, so im äußersten Südwesten Nordrhein-Westfalens, in Hessen, Thüringen und nurmehr vereinzelt in Sachsen-Anhalt und Sachsen. In Brandenburg und inzwischen offenbar auch in Südniedersachsen ist die Art ausgestorben; aus den übrigen Ländern sind keine Vorkommen bekannt.

In Österreich kommt die Art zerstreut in allen Bundesländern vor, mit Schwerpunkt in den alpinen Kalkgebieten.

Auch in der Schweiz findet sie sich nahezu im gesamten Gebiet. Die Fundpunkte häufen sich aber im Jura, in der Innerschweiz, im Rheintal und in den Südalpen, hingegen ist sie im Mittelland sehr selten geworden.

Naturschutz und Gefährdung

Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch das Brand-Knabenkraut unter dem strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.

Rote Listen:

Neotinea ustulata, Bliesgau im Saarland
  • Rote Liste Deutschland: 2
  • Rote Liste Bundesländer: Baden-Württemberg: 2, Bayern: 3, Berlin: -, Brandenburg: 0, Bremen: 0, Hamburg: -, Hessen: 2, Mecklenburg-Vorpommern: -, Niedersachsen: 0, Nordrhein-Westfalen: 3, Rheinland-Pfalz: 1, Saarland: 2, Sachsen-Anhalt: 1, Sachsen: 1, Schleswig-Holstein: -, Thüringen: 2
  • Rote Liste Schweiz: NT (Near Threatened – potenziell gefährdet)
  • Rote Liste Österreich: keine Angabe verfügbar.

Empfindlich reagiert die Art auf Veränderungen des Biotops und verschwindet schneller als zum Beispiel Anacamptis morio Basionym:Orchis morio (Kleines Knabenkraut), mit welchem es oft vergesellschaftet ist.

Orchidee des Jahres:
Der Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland, der sich in allen Bundesländern den Schutz, die Pflegemaßnahmen der Biotope, die Kartierung und wissenschaftliche Betreuung der heimischen Orchideenflora zur Aufgabe gemacht hat, wählte das Brand-Knabenkraut zur „Orchidee des Jahres“ 2005. Mit der Wahl sollte auf die starke Gefährdung dieser Orchideenart aufmerksam gemacht werden, die aus der mitteleuropäischen Landschaft zu verschwinden droht. Die Rückgangsursachen sind einerseits der Flächenverbrauch durch Bebauung, die intensive Wiesenbewirtschaftung, Düngung und zu häufige Mahd, andererseits aber auch die gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung und damit das Brachfallen der Wuchsorte.

Standort

Neotinea ustulata, Schwäbisch-Fränkischer Wald

Das Brand-Knabenkraut wächst in Mitteleuropa auf Trocken- und Halbtrockenrasen, Streuwiesen, Magerwiesen und Bergmatten bis auf 2000 m über NN, seltener in lichten Kiefern- oder Laubwäldern sowie in trockeneren Bereichen von Feuchtwiesen.

Dabei benötigt diese Pflanzenart wechselfeuchte, basische, selten auch kalkfreie Böden mit einem pH-Wert von 6,0 bis 8,0. Das Substrat sollte sandig-kiesig oder kiesig-lehmig sein. Sie vertragen Temperaturen bis -29°C (WHZ 5).

Die Art gilt als sehr heliophil und tritt meist auf vollbesonnten Standorten mit Beleuchtungsintensitäten bis über 80.000 Lux auf.

Sie hat in Mitteleuropa Vorkommen in folgenden Verbänden des pflanzensoziologischen Systems:

  • Mesobromion
  • Cirsio-Brachyopodion
  • Geranion sanguinei
  • Arrhenatherion

(Aufschlüsselung siehe: Pflanzensoziologische Einheiten nach Oberdorfer)

Unterarten, Hybriden und Varietäten

Neotinea ustulata
ssp. ustulata
Neotinea ustulata
ssp. aestivalis

Das Brand-Knabenkraut tritt in zwei Unterarten auf, die sich vor allem hinsichtlich der Blütezeit, aber auch morphologisch unterscheiden:

  • Orchis ustulata subsp. ustulata
    zeichnet sich durch eher niedrigen und gedrungenen Wuchs sowie gedrängte, an der Spitze rundliche Ähren aus. Die Unterart blüht hauptsächlich im Mai oder Juni, gelegentlich auch im April.
  • Orchis ustulata subsp. aestivalis Kümpel & Mrkvicka (1988)
    zeigt dagegen eher hohen und gestreckten Wuchs sowie lockerblütige, zugespitzte Ähren. Sie blüht später als die Nominatform, im Juli oder August. Der wissenschaftliche Name der Unterart leitet sich von dem Lateinischen aestivalis (sommerlich, Sommer-) ab.

Als Hybriden wurden folgende Arten beschrieben:

Bis auf Orchis × dietrichiana werden die anderen Hybriden durch die genetisch weit auseinanderliegende Verwandtschaft der Ausgangsarten als zweifelhaft angesehen. Als "var. alba" beschriebene Weißlinge sind taxonomisch bedeutungslos.

Siehe auch

Belege

Literatur

Species Plantarum

Standardliteratur über Orchideen
  • AHO (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Verlag AHO Thüringen Uhlstädt – Kirchhasel, 2005, ISBN 3-0001-4853-1.
  • H. Baumann, S. Künkele:Die wildwachsenden Orchideen Europas. Frankh, 1982, ISBN 3-4400-5068-8.
  • Karl-Peter Buttler: Orchideen, die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas. Mosaik Verlag 1986, ISBN 3-5700-4403-3.
  • Robert L. Dressler: Die Orchideen - Biologie und Systematik der Orchidaceae. (1996).
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. Brücke-Verlag, 2. Auflage: 1975, ISBN 3-8710-5010-5.
  • J. G. Williams: Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien. BLV Verlag, ISBN 3-4051-1901-4.
Spezielle Literatur
  • R. M. Bateman, P. M. Hollingsworth, J. Preston, Y.-B. Luo, A. M. Pridgeon, M. W. Chase: Molecular phylogenetics and evolution of Orchidinae and selected Habenariinae (Orchidaceae). in: Botanical journal of the Linnean Society. Blackwell, Oxford 142. 2003, 1-40. ISSN 0024-4074
Spezielle Literatur zum Brand-Knabenkraut
  • S. Hammel: Das Brandknabenkraut (Orchis ustulata L. 1753) - die Orchidee des Jahres 2005 in Deutschland. In: Journal Europäischer Orchideen 37(1) 2005. AHO Baden-Württemberg, Stuttgart, S. 3-46, ISSN 0945-7909
  • S. Hammel: Das Brandknabenkraut (Orchis ustulata L. 1753) in Baden-Württemberg. In: Journal Europäischer Orchideen. 37(1) 2005. AHO Baden-Württemberg, Stuttgart, S. 47-88, ISSN 0945-7909
  • E. Henke: Orchis ustulata auf der Peloponnes. in: Berichte aus den Arbeitskreisen Heimische Orchideen. Friedberg 1(1) 1984, S. 92. ISSN 0176-2745
  • Kadri Tali, Michael J. Y. Foley, Tiiu Kull 2004: Biological Flora of the British Isles. No. 232. Orchis ustulata L. In: Journal of Ecology 92(1), S. 174-184. ISSN 0022-0477 Abstract & PDF

Einzelnachweise

Neotinea ustulata, Deutsche Bundespost 1984
  1. R. M. Bateman, A. M. Pridgeon, M. W. Chase: Phylogenetics of subtribe Orchidinae (Orchidoideae, Orchidaceae) based on nuclear ITS sequences. 2. Infrageneric relationships and reclassification to achieve monophyly of Orchis sensu stricto. in: Lindleyana. The scientific journal of the American Orchid Society. West Palm Beach Fla 12.1997, 113-141. ISSN 0889-258X
  2. M.J. Godfery (1933): Monograph and Iconograph of Native British Orchidaceae. 259 S. Cambridge
  3. Vöth, W. (1984): Echinomyia magnicornis Zett. Bestäuber von Orchis ustulata L. - Die Orchidee 35(5): 189-192.
  4. Buttler (1986)

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Verbreitungskarten
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Orchidee des Jahres 2005;


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