Blüteninduktion

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Die Blüteninduktion ist die Umsteuerung der Pflanze bzw. des Meristems vom vegetativen Wachstum zur Blütenbildung. Auslöser können innere (endogene) oder äußere (exogene) Faktoren sein. Die Induktion ist irreversibel, kann also nicht rückgängig gemacht oder gestoppt werden. *) ANMERKUNG

Induktion durch Langtag: Salat
Langtag zur Verhinderung der Blüteninduktion bei Chrysanthenum-Stecklingen
Acetylen-Unfall
  • Bei vielen Pflanzenarten ist ein bestimmtes Alter oder eine bestimmte Größe nötig, bevor sie blühen. Endogene oder autonome Auslöser sind hierfür zuständig, aber ihrer Natur nach nicht näher bekannt.

Bei den meisten Pflanzen wird der Blühzeitpunkt durch äußere Faktoren festgelegt. Die wichtigsten Faktoren sind dabei:

Viele Pflanzen setzen unabhägig von der Tageslänge dann Blüten an, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben; diese werden tagneutrale Pflanzen genannt.
Bei der Tageslängenabhängigkeit werden Kurztagspflanzen und Langtagpflanzen unterschieden, die für die Blühinduktion bestimmte Tageslängen benötigen. Eine Rolle als Rezeptor spielt dabei das Phytochrom-System der Blätter, ebenso das Cryptochrom. Auch das Protein FKF1 dient als Photorezeptor und misst die Tageslänge. Diese Systeme beeinflussen das Constans-Gen (CO), dessen Exprimierung alleine schon ausreicht, die Blüteninduktion auszulösen. Als Signal von den Blättern an die Blüten wurde lange ein Blütenhormon Florigen postuliert, dessen Identität jedoch lange unbekannt blieb. Das Gen FT (siehe unten) ist ein Kandidat dafür, da es zwar in den Blättern transkribiert wird, aber in den Blütenmeristemen wirkt.[1][2]

Besonders monokarpe Pflanzen (die nur einmal blühen) benötigen eine Vernalisation, eine längere Kälteperiode, um blühen zu können. Bekannte Gene, die bei Kälte aktiviert werden, sind Frigida (FRI) bei Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) und VRN1 und VRN2 im Winterweizen. Deren Genprodukte hemmen das Gen FLC, das seinerseits die Blütenbildung unterdrückt. In Summe wird also durch FRI oder VRN die Blütenbildung ermöglicht, wenn auch nicht ausgelöst. Es sind meist noch weitere Faktoren zur Auslösung nötig.

  • Bestimmte Pflanzenhormone, wie etwa die Gibberelline, sind wichtig in der Blüh-Stimulation in der Abwesenheit von Langtagbedingungen, der Wirkmechanismus ist jedoch noch unbekannt.
Bei manchen Bromelien können die Blühtermine durch blühfördernde Mittel gesteuert werden: Durch Einleitung von Acetylen in die wassergefüllten Zisternen der ausgewachsenen Pflanzen, (Diese Vorgehensweise ist nicht ungefährlich, war nie wirklich erlaubt, und ist seit langem ausdrücklich verboten!) oder man gibt etwa 0,5 g Calciumcarbid in den wassergefüllten Trichter; in der Pflanze erfolgt eine Umsetzung zu Ethylen. Auch verschiedene Wachstumsregler, z.B. Ethrel werden eingesetzt. So kann ein ganzer Bestand auf einmal zum Blühen gebracht werden. Die Kulturzeit kann dadurch um mehrere Monate verkürzt, und die Verkaufsreife zu bestimmten absatzstarken Terminen kann gesteuert werden.

*) ANMERKUNG

Blüteninduktion durch Kurztag: Chrysanthemum x grandiflorum

Dagegen steht die Beobachtung, dass Chrysanthemum indicum (C. x grandiflorum) in Topfkultur nach einer nicht ausreichend langen Kurztags-Behandlung wieder durchtreiben und weiter wachsen, obwohl sie die Strukturen von Blütenständen sowie Blüten-Knospen gebildet hatten. Die Blüten entwickeln sich nur dann normal weiter, wenn beim Ende der Kurztagsbehandlung und Wiederbeginn von Langtagsbedingungen "die Knospe schon Farbe zeigt".

Einzelnachweise

  1. Katja E. Jaeger, Alexander Graf, Philip A. Wigge: The control of flowering in time and space. Journal of Experimental Botany, Band 57, 2006, S. 3415–3418.
  2. Laurent Corbesier, George Coupland: The quest for florigen: a review of recent progress. Journal of Experimental Botany, Band 57, 2006, S. 3415–3418.


CC by-sa Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Blüte(Blüteninduktion) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und wird hier in der Hortipedia weiterentwickelt. Er steht unter der Lizenz CC-by-sa 3.0, in der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.


Siehe auch:

Photoperiodismus

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