Blattform

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Die Blattform eines Blattes, insbesondere der Blattspreite, kann sehr vielgestaltig sein und ist für das Erkennen der Arten wichtig. Hier werden die Begriffe erläutert, die zur Beschreibung von Blattpflanzen verwendet werden.

Ansatz an der Sprossachse

  • gestielt (petiolat), das Blatt besitzt einen Blattstiel
  • sitzend, das Blatt besitzt keinen Stiel, hier gibt es zusätzlich verschiedene Sonderformen:
    • Stengelumfassend: Die Basis des Blatts greift um den ganzen Stengel, z. B. Papaver somniferum (Schlaf-Mohn).
    • Durchwachsen: Das Blatt umgibt den Stengel geschlossen, z. B. Bupleurum rotundifolium-Arten (Rundblättriges Hasenohr).
    • Verwachsen: Zwei gegenständige Blätter sind am Grund verbunden, z. B. bei Lonicera caprifolium (Geißblatt).
    • Herablaufend: Die Spreite setzt sich am Stengel abwärts flügelartig fort, z. B. bei Verbascum (Königskerzen).

Einige Pflanzen vor allem Süß- und Sauergräser besitzen Blattscheiden, die den Stängel ein Stück weit umhüllen. Am Übergang zwischen Scheide und Blattspreite kann sich eine Ligula (Blatthäutchen) befinden.

Gliederung der Spreite

Leaf division drawing file 22KB.jpg
  • einfach (unifoliat): die Spreite besteht aus einer zusammenhängenden Fläche
  • dreizählig (trifoliolat)
  • gefingert (digitat)
  • gefiedert (pinnat)
    • paarig gefiedert (paripinnat): gefiedert ohne Endblättchen
    • unpaarig gefiedert (imparipinnat): gefiedert mit Endblättchen
    • doppelt gefiedert (bipinnat): die Fiedern sind ihrerseit gefiedert
    • dreifach gefiedert (tripinnat)

Gestalt der Spreite

Leaf shapes drawing file 55KB.jpg

• rund (orbicular)
• elliptisch (elliptic):das Blatt ist 1,5- bis 2-mal so lang wie breit, die breiteste Stelle ist in der Mitte.
• eiförmig (ovat): das Blatt ist 1,5- bis 2-mal so lang wie breit, die breiteste Stelle ist unterhalb der Mitte.
• verkehrt eiförmig (obovat): das Blatt ist 1,5- bis 2-mal so lang wie breit, die breiteste Stelle ist oberhalb der Mitte.
• abgeflacht (truncat)
• nadelförmig (acicular)
• lineal (ensiform)
• eilanzettlich (subulat): sehr schmal dreieckig, zugespitzt
• lanzettlich (lanceolat): das Blatt ist länglich, jedoch in der Mitte am breitesten und zu den Enden hin verschmälert.
• verkehrt eilanzettlich (oblanceolat)
• zugespitzt (acuminat)
• mit stacheliger Spitze (aristat)
• sichelförmig (falcat)
• spatelig (spathulat): das Blatt besitzt eine abgerundete Spitze, die größte Breite ist im oberen Drittel.
• verkehrt herzförmig (obcordat)
• herzförmig (cordat)
• rautenförmig (rhomboid)
• dreieckig (deltoid)
• pfeilförmig (sagittat)
• spiessförmig (hastat)
• schildförmig (peltat)
• fächerförmig (flabellat)
• nierenförmig (reniform)
• handförmig gefiedert (palmat)
• Richtung Spreitenspitze eingeschnitten (pinnatifid)
• Richtung Spreitengrund eingeschnitten (pinnatisect)

Spreitengrund

Der Spreitengrund ist das Spreitenende am Blattstiel.

  • ungleichmäßig
  • herzförmig (cordat)
  • keilförmig (cuneat)
  • spitz(acut)

Spreitenspitze

Der Apex ist das der Sprossachse abgewandte Ende der Spreite.

  • Ausgerandet
  • Gestutzt: Das Blatt hat an der Spitze eine Querlinie.
  • Abgerundet: Die Spitze ist konvex-bogig und hat keinen Winkel.
  • Verschmälert
    • Spitz: Spreitenränder bilden einen spitzen Winkel (< 90°).
    • Stumpf: Die Spreitenränder bilden einen stumpfen Winkel (> 90°).
    • Zugespitzt: Die Spreitenränder sind zur Spitze hin konkav.
    • Bespitzt: Das Blatt hat eine von der Spreite abgesetzte Spitze.
      • Stachelspitzig
      • Haarspitzig
      • Grannenspitzig
      • Begrannt: mit einer Granne.

Spreitenrand

Leaf margin drawing file 13KB.jpg

Besitzt der Spreitenrand keinerlei Einschnitte, so bezeichnet man ihn als ganzrandig. Vielfach ist der Rand jedoch nicht ganzrandig:

  • Gesägt = serrat: Zwischen den spitzen Vorsprüngen (Zähne) befinden sich spitze Einschnitte.
    • Abstehend gesägt
    • Doppelt gesägt
    • Fein gesägt = serrulat
    • Grob gesägt
    • Entfernt gesägt
    • Rückwärts gesägt: Zähne weisen nach hinten.
  • Gekerbt = crenat: Zwischen den abgerundeten Vorsprüngen (Kerbzähne) liegen spitze Einschnitte.
  • Gezähnt = dentat: zwischen den Zähnen liegen abgerundete Einschnitte; mit gleichen Unterteilungen wie gesägt.
  • Geschweift: Zugespitzte Vorsprünge wechseln mit weitbogigen Einschnitten ab.
  • Gebuchtet = sinuat: Vorsprünge und Einschnitte sind abgerundet.
  • Gefranst = fimbriat
  • Gewimpert = ciliat: mit vom Blattrand seitwärts abstehenden Haaren
  • Ausgebissen: mit unregelmäßigen Einschnitten.
  • Zerschlitzt = laciniat, lacerat: schmale Abschnitte zwischen tiefen und unregelmäßigen Einschnitten.
  • Wellig = undulat: mit dreidimensionalen Wellen, im Gegensatz dazu: flach.
  • Kraus = gekräuselt: unregelmäßig gewellt.
  • Knorpelrandig = cartilaginös: mit verdicktem, meist bleichem Rand.

Spreitenquerschnitt

  • Umgerollt = revolut: Der Spreitenrand ist nach unten gerollt
  • Eingerollt = involut: Der Spreitenrand ist nach oben gerollt
  • Gefaltet = gefalzt = plicat: V-förmig
  • Rinnenförmig
  • Gekielt: Die Spreite besitzt der Länge nach eine kantige Leiste, meist an der Mittelrippe der Blattunterseite.

Sonstige Merkmale

  • Als Domatien werden in der Botanik die Haarbüschel in den Achseln der Blattadern bezeichnet.
  • Als Blatthäutchen (lat. Ligula, pl. Ligulae) bezeichnet man bei Pflanzen mit Blattscheiden ein Anhängsel an der Übergangsstelle von Scheide und Spreitenoberseite.
  • Blattnarben entstehen auf den Trieben von mehrjährigen Pflanzen nach dem Abfall der Blätter.
  • Hydathoden oder Wasserspalten sind wasserabscheidende Drüsen, die häufig an Blattspitzen, an Zähnchen des Blattrandes oder am Ende großer Blattadern liegen.

Literatur

  • Lexikon der Biologie, Band 3, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2000, S. 1-9, ISBN 3-8274-0328-6
  • Manfred A. Fischer (Red.): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz 2005, bes. S. 72-84. ISBN 3-85474-140-5


CC by-sa Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Blattform aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und wird hier in der Hortipedia weiterentwickelt. Er steht unter der Lizenz CC-by-sa 3.0, in der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.

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