Echter Mehltau

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Disambig arrow green graphic file 11KB.png Dieser Artikel erläutert die Pflanzenkrankheit Echter Mehltau. Der Artikel über die Familie Erysiphaceae (Echter Mehltau) findet sich unter Erysiphaceae.

Mehltau ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene durch Fungi (Pilze) verursachte Pflanzenkrankheiten, die in der Regel durch einen weißen Belag (Pilzrasen) auf Blattoberflächen in Erscheinung treten. Dabei wird zwischen Echten und Falschen Mehltauarten unterschieden. Über 7000 Pflanzenarten können von mehr als 100 Arten des Echten Mehltaus befallen werden.

Echter Mehltau
Powdery mildew Uncinula Tulasnei photo file 118KB.jpg
Echter Mehltau - Erreger: Uncinula Tulasnei auf Blatt von Acer platanoides (Spitzahorn)
Schadensort: Blätter
Schadensart: Belag
Beschreibung: punktuell

weiß

Erreger: siehe Tabelle
Wirtspflanzen: siehe Tabelle

betroffene Lebensformen:
Bäume
Sträucher
Kletterpflanzen
Stauden
Ein- und Zweijährige








Systematik

Echter Mehltau (Syn.:Weisser Mehltau) sind Pflanzenkrankheiten, die durch Ascomycota (Schlauchpilze) der Ordo Erysiphales (Echte Mehltaupilze) beziehungsweise deren einziger Familie Erysiphaceae (Echter Mehltau) verursacht werden. Die Erysiphales sind eine monophyletische Gruppe obligat biotropher Ektoparasiten auf Bedecktsamern.

Schadensbild

Die Echte Mehltaupilze befallen hauptsächlich Blätter, aber auch andere Teile von Pflanzen. Diese werden von einem mehlartigen Belag überzogen. Erysiphaceaenarten wachsen oberflächlich auf ihrem Wirt. Auf der Blattoberfläche bildet sich ein Pilzgeflecht, welches als weißer, abwischbarer Belag erscheint. Dieser bildet so genannte Haustorien aus. Dies sind spezielle Saugorgane des echten Mehltaus, welche sich in den Zellen der Epidermis verankern. So wird der Pilz mit Nährstoffen versorgt. Dabei durchstoßen die Haustorien zwar die Zellwand, nicht jedoch die Plasmamembran.

Auswirkungen auf die Pflanze

Durch den Entzug von Nährstoffen welken die Blätter, rollen sich zusammen, verfärben sich braun, vertrocknen und fallen schließlich ab.

Wichtige Wirtspflanzen

siehe Pilz- Wirtsregister Echter Mehltau

Verwechslungsmöglichkeiten

Gegenüberstellung Falscher und Echter Mehltau

Der Echte Mehltau kann mit dem Falschen Mehltau verwechselt werden. Im Gegensatz zum Echten Mehltau entsteht auf der Blattunterseite ein gräulich-bläulicher Pilzrasen, weshalb diese Pflanzenkrankheit von den beschreibenden Wissenschaftlern als Falscher Mehltau bezeichnet wurde. Die Echten Mehltaupilze unterscheiden sich jedoch grundsätzlich zur Ordnung der Peronosporales, der die Ereger des Falschen Mehltaus angehören.

Verbreitung

Aus dem oberflächlichen Mycel entwickeln sich Konidienträger, auf denen Konidien (Sommersporen) angeordnet sind. Die sich nun verbreitenden Konidien sorgen für die Massenvermehrung während der Vegetationsperiode. Fruchtkörper entstehen am Ende der Vegetationsperiode durch die Verschmelzung unterschiedlich ausgeprägter Pilzfäden an der Oberfläche der befallenen Pflanzenorgane. Die Fruchtkörper enthalten Ascosporen, welche kleiner sind als Konidien. [1]

Die Überwinterung erfolgt in kleinen Sporengehäusen an der Pflanze oder als Myzel, z. B. auf Unkräutern oder auf den Knospenschuppen von Obstbäumen oder an den Zweigen und beginnt mit dem Austrieb selbiger wieder zu wachsen. Das heißt er breitet sich erneut zu einem Geflecht aus und bildet Konidienträger. Die Konidien werden von Wind und Insekten verbreitet und bilden neue Infektionsherde. Trockenes Wetter begünstigt die Verbreitung (Schönwetterpilz), ebenso schwül-warme Witterung und der volatile Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht im Herbst. Eine Luftfeuchte von 70% für die Sporen genügt, da sie von Haus aus mit Nährstoffen und Wasser versorgt sind. Optimal ist eine Temperatur um 20° für die Verbreitung.

Vorbeugung & Massnahmen

Stickstoffbetonte Düngung vermeiden. Abstände beachten. Unkraut entfernen, viele Unkräuter werden befallen und übertragen die Krankheit. Mulchen. Gewächshaus ausreichend lüften. Sträucher und Bäume regelmäßig schneiden. Ausreichende Bewässerung. Befallenes entfernen bzw. starker Rückschnitt. Resistente Sorten anpflanzen.

Bei Befall im Herbst die Triebspitzen abschneiden, da dort viele Pilzarten überwintern. Abgetrennte Pflanzenteile vernichten. Da die Mehltaupilze nur auf lebenden Pflanzen leben können, können die Pflanzenteile auf den Kompost gebracht werden. Bei Kaliummangel für Ausgleich sorgen. Es sorgt für stärkeren Wachsüberzug auf den Blättern. Für ausreichende Bewässerung, angemessenen Pflanzenabstand und Sonnenschein sorgen. - Obstbäume nicht in die Nähe von Komposthaufen pflanzen, sie reagieren mit Mehltaubefall wegen eines Nährstoffüberangebotes.

Pflanzenschutzmittel auf biologischer Basis

Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln, die zur Abhärtung des Blattgewebes beitragen:

  • Mittel auf der Basis von Kieselsäure - Natrium- sowie Kalium-Wasserglas, Kiesel flüssig, Schachtelhalmextrakt
  • Pflanzenextrakte auf der Basis von Reynoutria sacchalinensis, Staudenknöterich, Milsana
  • Pflanzenextrakte auf der Basis von Fenchel, Anis - HF Pilzvorbeuge
  • Kombinationspräparate von Wasserglas und HF Pilzvorbeuge - OIKOMB
  • Mittel auf der Basis von Natriumhydrogencarbonat
  • Mittel auf der Basis von Molke, Frischmilch, Milchsäurebakterien

Als wirkungsvolle Mittel auf der Basis von Mikroorganismen / Antagonisten haben sich die Präparate AQ 10 Ampelomyces quisqualis sowie Serenade Bacillus subtilis erwiesen.

Chemische Pflanzenschutzmittel

Gegen die verschiedenen Mehltauarten werden in Landwirtschaft und Gartenbau Fungizide unterschiedlicher chemischer Struktur eingesetzt (z. B. Tridemorphe). So sind gegen die vorwiegend auf der Blattoberfläche wachsenden Echten Mehltaupilze Pflanzenschutzmittel auf Schwefelbasis verbreitet.

Hausmittel

Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, Veitshöchheim, empfiehlt gegen Stachelbeermehltau: 3 Packungen Backpulver und 50 ml Rapsöl in 5 l lauwarmem Wasser mischen, ggf. etwas Geschirrspülmittel. Ab Mai alle 10 - 14 Tage spritzen, 5 - 8 Anwendungen reichen aus. (Backpulver besteht zum größten Teil aus Natron, wahrscheinlich ist Sojaöl noch besser). Es gibt auch Empfehlungen gegen Echten Mehltau - vor allem im Naturgarten - das Spritzen mit einer Milch-Wasser-Mischung (1/8 l Milch auf 1 l Wasser), jeden 2. Tag zu spritzen.

Nützlinge

Eine Myathropa florea (Totenkopfschwebfliege) auf einem von Echtem Mehltau befallenen Blatt einer Dipsacus fullonum (Wilde Karde)

Der Psyllobora vigintiduopunctata gelbe (22-Punkt-) und der Halyzia sedecimguttata (Sechzehnfleckige Marienkäfer) sowie verschiedene Blattwespenarten fressen den Pilzbelag auf, er wächst aber wieder nach.

Abwehrende Pflanzen sind Basilikum, Anthriscus cerefolium (Echte Kerbel), Allium sativum (Knoblauch) (auf die Obstbaumscheiben und zwischen Erdbeeren und Rosen), Allium schoenoprasum (Schnittlauch). Digitalis (Fingerhut) wirkt desinfizierend auf den durch Podosphaera mors-uvae verursachten Stachelbeeren-Mehltau.

Phytopathologisches Labor und Resistenz

Als obligat biotrophe Ektoparasiten lassen sich alle Echten Mehltaupilze nicht auf Nährmedien kultivieren. Dies stellt für die Erhaltung von Reinkulturen für Resistenzprüfungen von Sorten der verschiedenen Wirtsarten ein Problem dar. Da die Resistenz gegen Echte Mehltauerreger bei einigen Wirtsarten sortenunterscheidendes Merkmal ist, ist auf die Reinerhaltung der Phytopathogene besonderes Augenmerk zu legen. So wird beispielsweise Erysiphe pisi unter semi-sterilen Bedingungen auf Fiederblättern anfälliger Erbsensorten kultiviert. Bei Wirtsarten, bei denen die Resistenz nicht zur Unterscheidung der Sorten dient, kann jedoch ohne weiteres unter natürlichen Befallsbedingungen geprüft werden.

Belege

Österreichische Briefmarke anlässlich des VI. Int. Pflanzenschutzkongresses in Wien 1967

Literatur

  • S. Blumer: Echte Mehltaupilze (Erysiphaceae). VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1967.
  • Uwe Braun: The Powdery Mildews (Erysiphales) of Europe. Halle-Wittenberg 1995, ISBN 3-334-60994-4
  • Heinz Butin: Krankheiten der Wald- und Parkbäume. Diagnose, Biologie, Bekämpfung. 2 Sporentafeln. 3., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart und New York 1996, ISBN 3-13-639003-2
  • Stefan Mauch: Molekulare Mechanismen der MLA-vermittelten Resistenz. Inaugural-Dissertation, Köln 2005 (hier online abrufbar)
  • Wolfgang Wittman: Atlas der Zierpflanzenkrankheiten. Blackwell Wissenschaftsverlag, Berlin 1995. ISBN 3-8263-3011-0 (vergriffen)

Einzelnachweise

  1. [Pierre Galet in : Les maladies et les parasites de la Vigne , Seite 27 - 42, Imprimerie du Paysan du Midi, Montpellier 1977

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CC by-sa Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Echter Mehltau aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und wird hier in der Hortipedia weiterentwickelt. Er steht unter der Lizenz CC-by-sa 3.0, in der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.

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