ICBN

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Der Internationale Code der Botanischen Nomenklatur (ICBN, engl. International code of Botanical Nomenenclature) wird von der Internationalen Gesellschaft für Pflanzentaxonomie (IAPT, engl. International Association for Plant Taxonomy) herausgegben und ist ein Regel- und Empfehlungswerk für die Namensgebung von Pflanzen, Pilzen und Algen.

Die IAPT wurde während des 17. Internationalen Botanik Kongresses am 18. Juli 1950 in Stockholm gegründet. Ihr Ziel ist es, "alle Aspekte der botanischen Systematik und ihrer Bedeutsamkeit für das Verständnis und den Wert der Biodiversität zu fördern." (To promote all aspects of botanical systematics and its significance to the understanding and value of biodiversity.)


Hintergrund

Eindeutige Namen für Organismen sind eine wichtige Voraussetzung für die wissenschaftliche Kommunikation. Der Code soll zur eindeutigen Bezeichnung von taxonomischen Gruppen und ihrer Rangstufe dienen, er trifft keine Aussage über ihre Merkmale oder geschichtliche Einordnung. Ziel ist ein beständiges Vorgehen bei der Benamung taxonomischer Gruppen und das gleichzeitige Vermeiden und Ablehnen von Namen, die zu Unklarheit oder Irrtümern führen. Auch soll das unnütze Schaffen neuer Namen vermieden werden. Die Änderung eines Namens wird nur auf Grundlage von tiefergehenden Erkenntnissen aus sachkundiger taxonomischer Forschung akzeptiert, oder aber weil ein Name nicht den Regeln entspricht.

Der Code stellt auf der Basis verschiedener Grundsätze Regeln und Empfehlungen auf, die einerseits die Nomenklatur der Vergangenheit in Ordnung bringen und andererseits den Weg in die Zukunft weisen sollen. Sie gelten für alle Organismen, die traditionell als Pflanzen behandelt werden, ob fossil oder nichtfossil. Die Regeln werden von einer Fachgruppe der regelmäßig stattfindenden Internationalen Botanik Kongresse fortlaufend geprüft und überarbeitet.

Grundsätze

Der ICBN sieht die botanische Nomenklatur unabhängig von der zoologischen und bakteriologischen Nomenklatur. Jede taxonomische Gruppe kann, außer in festgelegten Einzelfällen, nur einen korrekten Namen tragen. Die wissenschaftlichen Namen taxonomischer Gruppen werden, unabhängig von ihrer Herleitung, als lateinische Namen behandelt. Sie beruhen auf der Priorität der Veröffentlichung, wobei der jeweils älteste Name anerkannt wird, der den Regeln entspricht. Diese Regeln gelten rückwirkend sofern sie nicht ausdrücklich eingeschränkt werden.

Regeln und Empfehlungen

Taxonomische Gruppen jeder beliebigen Rangsrufe werden als Taxa (Singular:Taxon) bezeichnet. Jede einzelne Pflanze wird als zu einer unbestimmten Anzahl von Taxa gehörig behandelt. Die Rangstufen der Taxa sind einander fortlaufend untergeordnet, wobei der Rang der Species (Art) die Grundstufe ist.

Der ICBN unterscheidet zwischen primären und sekundären Rangstufen, die bei Bedarf durch das Voranstellen des Präfix "Sub-" weiter unterglieder werden können. Für Endungen der jeweiligen Taxa sowie die Abkürzungen für die Rangstufen gibt es bestimmte Vorgaben. Die Rangstufen sind in absteigender Reihenfolge (es werden nur die wichtigsten Unterstufen angeführt, die sekundären Rangstufen sind deutlich eingerückt):

Rangstufe Endung bei Pflanzen Endung bei Pilzen Endung bei Algen Abkürzung
Regnum (Reich)
Divisio oder Phylum (Abteilung) -phyta -mycota
 Subdivisio (Unterabteilung) -phytina -mycotina
Classis (Klasse) -opsida -mycetes -phyceae cl.
 Subclassis (Unterklasse) -idae -mycetidae -phycidae
Ordo (Ordnung) -ales ord.
 Subordo (Unterordnung) -ineae
Familia (Familie) -aceae fam.
 Subfamilia (Unterfamilie) -oideae
      Tribus (Zweig) -eae tr.
       Subtribus (Unterzweig) -inae
Genus (Gattung) gen.
      Sectio (Sektion) sect.
      Series (Serie) ser.
Species (Art) sp.
 Subspecies (Unterart)
      Varietas (Varietät) var.
      Forma (Form) f.

Prioritätsprinzip

Jede Familie sowie Taxa niedrigerer Ordnungen mit einer bestimmten Umgrenzung, Stellung und Rang kann nur einen korrekten Namen tragen. Ausnahmen sind die folgenden neun Familien, bei denen beide Namen anerkannt werden:

  • Compositae (Asteraceae)
  • Cruciferae (Brassicaceae)
  • Gramineae (Poaceae)
  • Guttiferae (Clusiaceae)
  • Labiatae (Lamiaceae)
  • Leguminosae (Fabaceae)
  • Palmae (Arecaceae)
  • Papilionaceae (Fabaceae)
  • Umbelliferae (Apiaceae)

Der korrekte Name für jedes Taxon von Familie bis zu Gattung ist der älteste legitime.

  • Die Prioritätsregel sagt aus, dass allein der nach dem 1. Mai 1753 erstmalig gegebene und den Regeln entsprechende Name Gültigkeit besitzt.

Ausnahmen sind die sogenannten "nomina conservanda", die ursprünglich illegitim waren oder nicht mit den Regeln übereinstimmen, die aber behalten werden, um nachteilige Veränderungen in der Nomenklatur zu vermeiden.

Nomenklatur

Der Name einer Gattung wird immer als Substantiv im Singular behandelt und beginnt mit einem Großbuchstaben. Er kann einen beliebigen Ursprung haben und willkürlich gebildet werden, darf aber nicht auf "-virus" enden. Auch darf er nicht aus zwei Wörtern bestehen, es sei denn sie sind mit einem Bindestrich verbunden. Es wird empfohlen, bei der Bildung neuer Gattungsnamen möglichst lateinische Endungen zu verwenden und Namen zu vermeiden, die sich auf Latein nur schwer adaptieren oder aussprechen lassen. Auch sollten die Namen nicht zu lang sein.

Wirksame und gültige Veröffentlichung von Namen

Eine Veröffentlichung besteht aus der Verteilung von gedrucktem Material an die Öffentlichkeit oder zumindest an botanische Institutionen mit Bibliotheken, die Botanikern allgemein zugänglich sind. Das Mitteilen neuer Namen auf öffentlichen Sitzungen oder durch das Anbringen von Namen in öffentlich zugänglichen Sammlungen oder Gärten gilt nicht als wirksame Veröffentlichung.

Für den Großteil der Namen von Pflanzen, Pilzen und Algen wurde das Datum von Linnés Species plantarum, der 1. Mai 1753, als Stichtag für den Beginn von gültigen Veröffentlichungen festgesetzt.

Literatur

  • International Association for Plant Taxonomy (Hrsg.): International Code of Botanical Nomenclature (Vienna Code). Regnum Vegetabile 146. A.R.G. Gantner Verlag KG, ISBN 0080-0694.

Weblinks

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