Robinia pseudoacacia

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Robinia pseudoacacia L.

Fabaceae

Lebensform: Baum
Verwendung: Nutzpflanze / Verwendung: Zierpflanze

Standort: Sonne   6

Bodenfeuchte: trocken bis Bodenfeuchte: frisch

Bodenart: Sand - Bodenart: sandiger Lehm

Blattstand: wechselständig
Blatt: Sommergrün

Blattform: elliptisch

Blattgliederung: unpaarig gefiedert

    

Blütenform: Schmetterlingsblüte
Frucht: Hülse

N999D / ffffff 

Knospenanordnung: Traube

Blüte: einfach
Blütenhabitus: hängend

Kronenform: breitkronig

Taxonomie

Divisio:
Magnoliophyta
Subdivisio:
Magnoliophytina
Classis:
Rosopsida
Subclassis:
Rosidae
Superordo:
Fabanae
Ordo:
Fabales
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Die Robinia pseudoacacia, umgangssprachlich Gewöhnliche Robinie, auch verkürzt Robinie, Falsche Akazie, Scheinakazie oder Silberregen genannt, ist ein sommergrüner Laubbaum. Ursprünglich aus Nordamerika stammend, wurde er überall in Europa in Parks und Gärten gepflanzt und kommt mittlerweile auch wild vor.

Namensherkunft

Carl von Linné, der die Gattung der Robinia (Robinien) erstmals wissenschaftlich beschrieb, benannte diese nach Jean Robin (1550-1629), dem Hofgärtner der französischen Könige Heinrich III., Heinrich IV. und Ludwig XIII..

Der wissenschaftliche Artname pseudoacacia weist auf die (irreführende) Ähnlichkeit mit den Akazien hin. Die gelegentliche Verwendung des Namens Silberregen ist auf die traubenförmigen weißen Blütenstände des Baumes zurückzuführen.

Taxonomie

Robinia pseudoacacia ist die Typus-Art der Gattung Robinia, die circa 15 bis 92 Arten umfasst und zur Familie der Fabaceae (Schmetterlingsblütler) gehört.

Mit den ebenfalls zu den Fabaceae gehörenden Acacia (Akazien) ist die Robinie, obwohl sie auch als Falsche Akazie bezeichnet wird, nicht besonders nahe verwandt, auch wenn sie äußerlich mit diesen die gefiederten Blätter sowie die Dornen gemeinsam hat. Neben Robinia neomexicana und Robinia viscosa ist sie die einzige Baumart in der Gattung der Robinia (Robinien), die ansonsten nur aus Sträuchern besteht.

Inwieweit verschiedene Formen der Robinie auf Kreuzungen mit anderen Robinienarten oder Mutationen zurückgehen, ist nicht immer sicher. Bekannt ist Robinia pseudoacacia var. rectissima, welche 1936 in Long Island gefunden wurde. Markant für diese Varietät, deren Status allerdings umstritten ist, ist ein kerzengerader Schaft, der auch im Freistand ausgebildet wird. Diese Form hat ihr die Bezeichnung Schiffsmastrobinie eingebracht. Nachkommen dieser Bäume sind in der Forstpflanzenzüchtung begehrt.

Merkmale

Wuchs

Die Gewöhnliche Robinie ist ein mittlerer bis großer Baum mit rundlicher und lockerer Krone, die im Alter eher schirmförmig wird und oft mit Totholz durchsetzt ist. Die Äste sind unregelmäßig und häufig drehwüchsig, sie setzen waagerecht am Stamm an und sind entweder aufrecht oder weit ausladend. Im Freistand werden Wuchshöhen von 12 bis 20, im geschlossenen Bestand von 20 bis 30 Metern erreicht.

In der Jugend ist die Robinia pseudoacacia sehr starkwüchsig: In den ersten 10 Jahren beträgt der Zuwachs ca. 1 bis 1,2 Meter pro Jahr, nach 10 Jahren etwa 0,25 bis 0,5 Meter und nach 40 Jahren immer noch etwa 20 Zentimeter pro Jahr. Robinien können 100-300 Jahre alt werden, sterben aber meist schon früher ab. Im städischen Bereich und an Strassen, auf verdichteten und sauerstoffarmen Standorten setzt in der Regel eine frühe Vergreisung ein.

Borke der Gewöhnlichen Robinie
Dornen der Gewöhnlichen Robinie

Holz und Rinde

Die Borke des Stamms ist graubraun bis dunkelbraun, tief gefurcht und häufig netzig-längsrissig. Die Äste stehen gedreht an einem kurzen Stamm, der zur Ausbildung einer Doppelkrone neigt. Die Triebe sind rotbraun, kantig und stark dornig mit bis zu 3 Zentimeter langen Dornen. Während der Blütenstandsbereich und die Krone meist ohne Dornen sind, sind besonders an den Schößlingen die Nebenblätter zu bis 3 Zentimeter langen, rotbraun gefärbten Dornen umgebildet.

Blätter der Gewöhnlichen Robinie
Detail eines Blütenstands
Hülsen („Schoten“) der Gewöhnlichen Robinie.

Blätter

Der Baum treibt erst sehr spät im Frühjahr aus. Die wechselständigen und unpaarig gefiederten Laubblätter erreichen eine Länge von 15 bis 30 Zentimetern. Sie bestehen aus jeweils neun bis neunzehn elliptischen Einzelblättchen, die sich durch kleine Gelenke bei großer Hitze senkrecht nach unten klappen können und eine Größe von 3 bis 4 Zentimetern erreichen. Die Farbschattierungen reichen von dunkelgrün bis blaugrün, die Blattunterseite ist hellgrün. Spät im Herbst ist eine gelbliche Färbung zu beobachten.

Blütenstände und Blüten

Die Blüten des Baumes erscheinen in den Monaten Mai bis Juni. Jeweils 10 bis 25 der stark bergamotteartig duftenden Blüten sind zusammengefasst in zwischen 10 und 25 Zentimeter langen, hängenden traubigen Blütenständen an den jungen Zweigen. Die Schmetterlingsblüten bieten reichlich Nektar und werden daher von vielen Insekten aufgesucht. Nektar und Staubbeutel werden gleichzeitig reif. Setzt sich ein Insekt auf die Blüte tritt zuerst die Narbe heraus, die eventuell mitgebrachten Pollen vom Bauch abbürstet.

Früchte und Samen

Es werden seitlich stark abgeflachte Hülsen gebildet. Sie sind rotbraun, kurz gestielt, etwa fünf bis zehn Zentimeter lang und einen Zentimeter breit. Ihre Hülle ist pergament-lederig. In den Einbuchtungen der Hülsen liegen etwa vier bis zwölf Samen. Diese Samen, die im September ausgereift sind, sind sechs bis sieben Millimeter lang, braun, glatt und sehr hartschalig. Die sie umgebende Hülse reißt allmählich während des Winters entlang der Rücken- sowie der Bauchnaht auf. Da die Früchte mitunter bis in das nächste Frühjahr am Baum hängen bleiben, zählt die Scheinakazie zu den sogenannten Winterstehern.

Wurzelsystem

Die ersten Jahre besitzt die Robinia pseudoacacia eine Pfahlwurzel, die nach 15 bis 20 Jahren rübenartig abholzig wird. Danach bildet sie ein Senkerwurzelsystem mit sehr flach im Oberboden verlaufenden Hauptseitenwurzeln aus, welche eine sehr große Reichweite haben. Ihre Vertikalbewurzelung besteht aus Senkern oder abbiegenden Horizontalwurzeln (Kniewurzeln). Robinienwurzeln suchen mit ihren langen Wurzelsträngen Stellen anhaltender Bodenfeuchtigkeit auf, auf Sandstandorten gehen sie bis zu 3 Meter tief. Robinien entwickeln Wurzelbrut und Stockausschlag, die reichlich gebildeten Wurzelknöllchen enthalten Bakterien, die Luftstickstoff binden. Nach Wurzelverletzungen ist starke Wurzelbildung zu beobachten.

Verbreitung

Ausbreitungsstrategie

Die Anforderungen an die Keimung sind unspezifisch. Die Gewöhnliche Robinie verbreitet ihren Samen durch den Wind (sogenannte Anemochorie). Die Ausbreitungsdistanz ist wegen des hohen Gewichts der Samen verhältnismäßig gering und beträgt selten mehr als 100 Meter.

Diesen Nachteil kompensiert die Robinie über zwei Mechanismen. Die Baumart blüht und fruchtet bereits im sechsten Lebensjahr und ihre Samen sind sehr lange keimfähig, es wird eine persistente Samenbank aufgebaut. Die Dauer der Keimfähigkeit wird auf bis zu 30 Jahre geschätzt. Zur Keimung benötigt die Pflanze sehr viel Sonnenlicht,so dass sie durch generative Vermehrung nicht in geschlossene Bestände eindringen kann. Dies gelingt ihr jedoch mit Wurzelausläufern, mit denen sie vom Rand her auch geschlossene Magerrasen besiedelt. Diese Eigenschaften bedingen die Pionierfähigkeit der Robinie. Ausgehend von bereits bestehenden Samenbäumen ist die Robinie sehr schnell in der Lage, neue offene Standorte zu bewachsen; die Art neigt sehr stark zum Verwildern.

Die Robinie ist außerdem in der Lage, sich durch Wurzelausläufer vegetativ zu vermehren. Diese auch als „klonales Wachstum“ bezeichnete Verbreitung wird begünstigt, wenn es zu Standortstörungen wie etwa Bränden oder Rodungen kommt. Die Gewöhnliche Robinie reagiert darauf mit einer verstärkten Ausbildung von Wurzelsprossen, die letztlich zu einer Verdichtung bereits bestehender Bestände führt; andere Arten werden dadurch verdrängt.

Natürliches Vorkommen

Die Gewöhnliche Robinie ist ein Baum, der ursprünglich im atlantischen Nordamerika beheimatet ist und im Gebiet der Appalachen sowie der US-Bundesstaaten Pennsylvania, Missouri, North Carolina, South Carolina, Georgia, Indiana und Oklahoma verbreitet war. Sie wächst dort als Pionierpflanze in Laubmischwäldern auf mäßig nährstoffreichen Sand- und Lehmböden in Höhenlagen von bis zu 1 600 Metern. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet zeichnet sich durch ein humides Klima mit jährlichen Niederschlägen zwischen 1020 und 1830 Millimetern aus.

Wie die von Ingo Kowarik zitierten Untersuchungen zeigen, ist die Gewöhnliche Robinie in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet ein Baum, der die Waldregeneration nach „katastrophalen“ Störungen wie etwa einem Waldbrand oder Kahlschlägen einleitet. Das neu besiedelte Gebiet wird für etwa 20 bis 30 Jahre von dieser Baumart dominiert, die dann von anderen Baumarten wie etwa Liriodendron tulipifera (Tulpenbaum) verdrängt wird. Die Baumarten, die in der Lage sind, die Gewöhnliche Robinie an ihrem Standort zu verdrängen, zeichnen sich gewöhnlich dadurch aus, dass sie höher wachsen als die Robinie und sehr stark Schatten spenden. In Waldbeständen der Appalachen, die sich seit längerer Zeit ungestört entwickeln konnten, beträgt der Anteil der Robinie weniger als 4 Prozent.

Heutiges Verbreitungsgebiet

Die anspruchslose Robinie wurde durch den Menschen in zahlreichen Gebieten verbreitet, die nicht zu ihrem ursprünglichen Verbreitungsraum gehören. Sie ist damit eine sogenannte hemerochore Pflanze und zählt aufgrund ihrer Einführung nach 1492 in Europa zu den Neophyten. Sie ist heute in Europa, Nordafrika, West- und Ostasien zu finden. Auch in Nordamerika hat sie ausgehend von Anpflanzungen ihr Verbreitungsgebiet sowohl räumlich als auch standortlich erheblich erweitert. Sowohl in Europa als auch in den neu besiedelten nordamerikanischen Verbreitungsgebieten wächst sie auf Standorten, die wesentlich trockener sind als die in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Häufig anzutreffen ist die Robinia pseudoacacia in Laubmischwäldern, auf nicht mehr bewirtschafteten Feldern, Ödländereien und ähnlichen offenen Flächen.

Standort

Die Robinie ist lichthungrig und wärmeliebend, gleichzeitig aber auch unempfindlich gegen Frost, Hitze und Dürre. Diese Eigenschaften und, dass sie außerdem industriefest und salzresistent ist, machen sie für das Stadtklime bestens geeignet. Jungbäume können in ungünstigen Lagen gelegentlich unter Früh- und Spätfrösten leiden. Sie verträgt ansonsten Temperaturen bis -23°C (WHZ 6) und benötigt eine frostfreie Periode von mindestens 20 Wochen. .

Robinia pseudoacacia ist insgesamt anspruchslos und wächst am liebsten auf nährstoffreichen, lockeren, frisch bis mäßig trockenen Lehmböden. Das Substrat sollte vergleichsweise mager sein. Für eine gute Entwicklung benötigen die Pflanzen einen pH-Wert zwischen 4,6 und 8,2 sowie eine Oberbodendicke von mindestens 90 Zentimetern. Sie gedeiht aber auch gut auf armen, trockenen, schwach sauer bis alkalischen Sand- und Kiesböden. Vermieden werden sollten ausgesprochene Kalkböden, außerdem versagt sie auf schweren, undurchlässigen, nassen und sauerstoffarmen Substraten. Robinien-Wurzeln haben ein großes Luftbedürfnis, daher die Vorliebe für lockere, sauerstoffreiche Böden.

Lebensbereich nach Prof. Dr. Sieber:

  • Freiflächen

Toleranz spezieller Standortbedingungen

  • geringe Toleranz: sauerstoffarme Böden
  • mittlere Toleranz: salzhaltige Böden
  • hohe Toleranz: zeitweise trockene Böden, kalkhaltige Böden, Stadtklima

Typische Standorte in Europa

Die Gewöhnliche Robinie wird heute auf einem breiten Standortspektrum gezielt angebaut. Zu einer stärkeren natürlichen Verbreitung kommt es dabei vor allem in den Gebieten, die klimatisch besonders begünstigt sind, da der Baum zur Samenausbildung auf hohe Wärmesummen in der Vegetationsperiode angewiesen ist. In diesen Gebieten breitet sie sich, ausgehend von Anpflanzungen, entlang von Waldrändern und Verkehrswegen auf Brachflächen sowie urbanindustriellen Standorten aus. Dabei dringt sie auch in Standorte wie Sandtrocken- und Kalkmagerrasen ein und verdrängt die dort wachsenden Arten.

Die Gewöhnliche Robinie hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg außerdem auf Trümmerschuttflächen stark verbreitet. Die Zerstörungen und die anschließende mangelnde Pflege vieler Grundstücke führte dazu, dass in Städten wie etwa Leipzig, Berlin, Stuttgart und Köln großräumige Flächen entstanden, die mit Robinien bewachsen sind.

Verwendung

Die Robinia ist ein echter Allrounder, der als Einzelbaum, Gruppengehölz in Parkanlagen, im Siedlungsgrün und Straßenbegleitgrün platziert werden kann; Die Pflanze ist auch ein beliebter Rohbodenpionier auf Sand-, Kies- und Steinböden und wird von Bioingenieuren für die Halden- und Böschungsbefestigung eingesetzt. Ältere Bäume sind beliebte Nistgehölze für z.B. den Fliegenschnäpper in tiefgefurchten Borkenhöhlungen. Nach Martin Ehlers sind Rinde und Laub gutes Futter für Kühe und Ziegen. Achtung: die Hinweise zur Giftigkeit beachten!.

Zierpflanze

Nach wie vor finden Robinien als Zierpflanzen Verwendung, da sie besonders im Alter eine malerische Krone ausbilden und sowohl die Blätter als auch die Blüten sehr dekorativ sind. Aus diesem Grund sind mittlerweile eine Reihe von Sorten entstanden, die sich zum Beispiel durch gelbes Laub (Robinia pseudoacacia 'Frisia') oder eine kugelige Krone (Robinia pseudoacacia 'Umbraculifera') von der Art unterscheiden. Die Robinie verträgt das trockene Stadtklima sehr gut und da sie außerdem unempfinglich gegen Rauch, Staub, Ruß und Salz ist wird sie oft als Allee- und Stadtbaum verwendet.

Die Robinie liefert reichhaltigen Nektar und ist deshalb als Bienentrachtpflanze für die Imkerei interessant

Bienenweide

Die Robinie liefert im Frühsommer reichhaltigen Nektar, weshalb sie als wertvolle Bienenweide angesehen wird und gelegentlich von Imkern gezielt angepflanzt wird. Die Honigtracht Anfang bis Mitte Juni bringt auf einen Hektar 150 bis 1000 Kilogramm Honig, der eine helle Farbe hat und unter der Bezeichnung "Akazienhonig" verkauft wird. Der Zuckergehalt liegt zwischen 34 und 59 Prozent, wodurch der Honig lange flüssig bleibt.

Die Robine wird besonders in Frankreich und Ungarn intensiv als Imkerpflanze genutzt wird, und auch in Brandenburg stellt sie in guten Jahren bis zu 60 Prozent der Honigernte.

Holznutzung

Die weite Verbreitung der Robinie ist auf die wirtschaftlich attraktive Holznutzung zurückzuführen. Das gegen Holzfäule widerstandsfähige Holz ist gleichzeitig biegsam und fest und wird im Schiffs- und Möbelbau, als Grubenholz, als Schwellenholz, sowie im Bogenbau verwendet. Es gilt als widerstandsfähiger und dauerhafter als Eichenholz. Da es auch ohne chemische Konservierungsbehandlung bei Nutzung im Außenbereich lange stabil bleibt, ist es beispielsweise für den Bau von Geräten auf Kinderspielplätzen gefragt. Es wird außerdem oft im Rahmen der Schutzwaldsanierung zur temporären Verbauung genutzt. Hier werden oftmals Schneerechen und Dreibeinböcke aus Robinienholz gebaut. Da das Holz aufgrund seiner Eigenschaften eine Alternative zu Tropenhölzern darstellt, wird seine Verwendung derzeit weiter forciert. In einigen Gebieten Ungarns und der Slowakei ist die Robinie mittlerweile der wichtigste Forstbaum, wobei hier bevorzugt Zuchtformen angebaut werden, die gradstämmiger sind als die ursprüngliche Art. Auch in Südkorea wird die Gewöhnliche Robinie in sehr großem Maße angebaut. Weltweit nahm die Anbaufläche zwischen 1958 und 1986 von 227.000 auf 3.264.000 Hektar zu und hat sich damit mehr als verzehnfacht. Die Robinie ist die nach Pappeln und Eukalyptus weltweit am häufigsten in Plantagen kultivierte Laubbaumart.

Forstwirtschaftlich ist die Robinie je nach anthropogen bedingter Immission auch deshalb interessant, weil sie mit Hilfe symbiotisch mit ihr lebender Knöllchenbakterien Luftstickstoff (N2) bindet. Auf stickstoffarmen Standorten hat diese Baumart daher einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Arten, der unter anderem dazu führen kann, dass der Holzertrag der Robinie, verglichen mit Kiefern oder Eichen, höher ist.

Robinienholz (oben unter normaler Beleuchtung) fluoresziert im Inneren bei Ultraviolett-Bestrahlung (unten), vermutlich aufgrund der dort durch Zersetzung von Glycosiden freigewordenen Cumarine

Traditioneller Bogenbau

Das Kernholz der Robinie gilt neben Eibe und Esche als eines der bevorzugten Hölzer im traditionellen Bogenbau.

Bergbau

Das Holz der Robinie wurde im Bergbau zum Stützen der Stollen verwendet. Die für Grubenstempel vorgeschriebenen Maße erreicht die Robinie bereits in einem Alter von 20 Jahren, Pinus sylvestris (Waldkiefer) benötigt im Vergleich dazu 30 bis 40 Jahre. Jedoch spielte Robinienholz im Bergbau nie eine große Rolle. Selbst in der Heimat der Robinie, der USA, betrug der Verbrauch 1923 mit nur 6997 m³ weniger als 1 Prozent des Gesamtverbrauches. Heute wird, zumindest in Deutschland, kein Robinienholz im industriellen Bergbau mehr verwendet.

Zur Eignung als Grubenholz wurden auch in Deutschland zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Bereits im Jahre 1900 berichtete die Bergwerksdirektion Saarbrücken über Erfahrungen mit Robinienholz, bei denen dieses noch nach zwei Jahren vollkommen gesund war, während Eichenholz in seinen äußeren Teilen bereits faulte.

Berichte aus Ungarn, dass eingebautes Robinienholz dermaßen unangenehm roch, dass die Arbeit in dessen Nähe nicht möglich war, beruhten vermutlich auf dem aus Glykosiden (siehe Giftigkeit) unter anderem freigesetzten Cumarin. Besonders frisches Wurzelholz der Robinie hat einen unangenehmen Geruch, den es lange Zeit beibehält.

Robinienholz kann eine gewisse „Warnfähigkeit“ aufweisen. Hierunter wird die Eigenschaft des Holzes verstanden, vor dem Bruch zu splittern und dabei vernehmbare Warngeräusche an die Umgebung abzugeben, welche eine rechtzeitige Reaktion der Bergleute ermöglicht. Diese Eigenschaft ist allerdings bei den langfaserig brechenden Nadelhölzern besser ausgeprägt. Dafür biegen sich Robinienbalken vor dem Bruch stark durch, wodurch ein zusätzliches visuelles Warnvermögen gegeben ist.

Als Nachteile für das Robinienholz wird dessen schwere Verarbeitung gesehen. Stempel aus Robinie sind schwerer als solche aus anderen Holzarten. Außerdem sind sie schwerer zu bearbeiten und zu nageln.[1]

Sorten

'Appalachia' 'Bessoniana' 'Coluteoides' 'Frisia' 'Lace Lady' 'Mimosifolia'
'Myrtifolia' 'Nyirsegi' 'Pendulifolia Purpurea' 'Pyramidalis' 'Rozynskiana' 'Sandraudiga'
'Semperflorens' 'Stricta' 'Tortuosa' 'Umbraculifera' 'Unifoliola'

Giftigkeit

Sowohl die Samen als auch die Borke der Robinie enthalten die toxischen Proteine Robin und Phasin (Toxalbumine), das Indoxyglykosid Indikan, das Glykosid Robinin sowie das Flavonglykosid Akacain. In der Borke sind die Inhaltsstoffe stärker konzentriert. Vergiftungen treten in der Regel jedoch weniger häufig durch das Kauen von Borke als durch den Verzehr von Samen auf. Besonders Kinder sind hierdurch gefährdet.

Kommen zum Beispiel durch Zerstörung oder Verwesung der Pflanzenzelle das Glykosid und die zugehörigen Glykosidasen zusammen, wird das Glykosid hydrolytisch gespalten, der Giftstoff wird freigesetzt und kann seine Wirkung entfalten. In alterndem Holz und auch im Inneren des Stammes entstehen dadurch Cumarine, die eine auf Gerinnungshemmung beruhende Giftwirkung haben, für den teilweise unangenehm empfundenen Geruch verantwortlich sind und fluoreszieren.

Vergiftungserscheinungen gehen mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Brechreiz einher. Die Gewöhnliche Robinie ist auch für Pferde, Hunde, Nager, Katzen, Vögel und andere Haustiere giftig.

In geringem Umfang enthalten auch die Blütenöle das giftige Piperonal. Giftige Wurzelausscheidungen und Laubstreu verdrängen verschiedene Pflanzen.

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Blattwespenlarve frißt an Robinienblatt

Krankheiten und Schädlinge

Ein auf die Robinie spezialisierter Schädling ist die Robinien-Miniermotte, deren Raupen auschließlich die Blätter dieses Baumes als Fraßpflanze nutzen. Das eigentlich in Nordamerika heimische Insekt wurde das erste Mal 1983 in der Nähe von Basel entdeckt. Von dort aus hat es sich rasch im übrigen Europa verbreitet, da die Raupe kaum Fressfeinde in ihrem neuen Lebensraum hat. 1988 wurden die ersten Funde in Deutschland, Frankreich und Italien gemeldet, in den 1990er Jahren gab es Funde in Ungarn, der Tschechischen und Slowakischen Republik sowie in Polen.

Die Auswirkungen auf den Baum sind Blattverfärbungen und -verlust, dies scheint aber sogar bei starkem Befall keine ernsthafte Gefährdung für den Baum darzustellen. Über die Langzeitwirkung liegen allerdings noch keine detaillierten Erkenntnisse vor.

Mensch und Robinia pseudoacacia

Die Gewöhnliche Robinie wurde als Zierpflanze nach Europa eingeführt

Einführungsgeschichte in Europa

Nach Europa wurde sie zwischen 1623 und 1635 durch Jean Robin eingeführt, der sie von Virginia nach Paris brachte. Im Jardin des Plantes und vor der Nordfassade der Kirche St. Julien-le-Pauvre, unweit von Notre-Dame, stehen zwei von Robin gepflanzte Exemplare, die als älteste Bäume der Stadt angesehen werden.

Aufgrund ihrer attraktiven Blütenstände und ihrer gefiederten Blätter wurde die Gewöhnliche Robinie zuerst als exotisches Ziergehölz in Parks angepflanzt. 1640 gelangte sie nach England, erste Nachweise für einen Anbau in Deutschland liegen für das Jahr 1670 vor, wo sie im Berliner Lustgarten anpflanzt wurde. 1726 kannte man sie in Italien.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts begann man, in dieser Holzart eine für die sich entwickelnde geregelte Forstwirtschaft interessante Art auf armen Standorten zu sehen. Es bestand regional Hoffnung, der zuvor durch jahrhundertelange ungeregelte – in Waldvernichtung resultierender – Übernutzung entstandenen Holznot durch den Anbau der Robinie kurzfristig begegnen zu können. Zwei Eigenschaften begünstigten ihre rasche Verbreitung: Die Robinie stellt nur geringe Anforderungen an den Boden und ist damit eine geeignete Baumart für die Wiederaufforstung von durch Übernutzung zerstörten Wäldern, und sie ist eine Pflanze, die eine weitere Bodenerosion verhindert. Sie wird deshalb für Aufpflanzungen in Sandgebieten bis heute genutzt.

Bestandteil der Kulturlandschaft

Aufgrund ihrer Eigenschaften als streusalz- und emissionsresistente Baumart ist die Robinie ein wertvoller Baum, der häufig besser als einheimische Arten für eine Begrünung von schwierigen urbanindustriellen Standorten geeignet ist. Der Invasionsbiologe Ingo Kowarik hat sich auch aus einem kulturhistorischen Aspekt für die weitere Anpflanzung von Robinien ausgesprochen:

In verschiedenen Gegenden ist die Robinie seit dem 18. Jahrhundert ein prägendes Element historischer Kulturlandschaften geworden. In Brandenburg verweist sie u. a. auf die traditionelle Pflanzenverwendung in historischen Gärten, auf frühe Landschaftsverschönerungen und auf Anpflanzungen als Bienengehölz, zum Erosionsschutz und als Flurgehölz oder Forstbaum… In vielen Dörfern und Städten ist sie ein traditioneller Zier- und Straßenbaum. (Kowarik, S. 165)

Auch die unmittelbar nach der Zerstörung Berlins entstandenen Robinienwälder haben neben ihrer ökologischen Bedeutung als Wildnisgebiete in der Stadt und Lebensräume für zahlreiche Arten einen historischen Zeugniswert, denn sie erinnern an die Ursachen ihrer Entstehung und sind damit erhaltenswert.

Problematik: invasive Pflanze

Obwohl die Robinie eine gern angebaute Baumart in der Forstwirtschaft ist und eine Alternative zu importiertem Tropenholz darstellt, wird sie von Naturschützern gelegentlich als problematischer Neophyt betrachtet, der die Biodiversität bestimmter Standorte bedrohen kann. Grund dafür ist ihre Fähigkeit zur symbiotischen Stickstoffbindung, die einen Düngeeffekt hat und an bestimmten Standorten eine Veränderung der Artenzusammensetzung zur Folge haben kann. Dadurch sind vor allem seltene Biotoptypen wie Magerrasen, Kalkmagerrasen und Sandtrockenrasen bedroht. Die Robinie kann an Trockenhängen aber auch in naturnahe mitteleuropäische Waldbestände eindringen. In Ungarn gefährdet sie beispielsweise im Kiskunság-Nationalpark die für dieses Gebiet charakteristischen Trockenrasen, in Österreich sind 30 % der bedeutenden Trockenrasenbestände durch diese Baumart bedroht. Zu den deutschen Beispielen zählen unter anderem das Naturschutzgebiet Mainzer Sand, die Sandhausener Dünen, der Spitzberg bei Tübingen, das Mansfelder Hügelland und der Badberg im Kaiserstuhl (Baden).

Untersuchungen, die der Invasionsbiologe Ingo Kowarik zitiert, zeigen, dass ein Robinienbewuchs auf solchen Standorten sehr schnell die Artenvielfalt deutlich reduziert und dass sich das Artenspektrum hin zu ungefährdeten und weit verbreiteten Arten verschiebt. Dies geht einher mit einer starken Veränderung der Spinnen- und Laufkäferfauna. Auch einheimische Pionierpflanzen wie Prunus spinosa (Schlehe) und Betula pendula (Sandbirke) bedrohen solche Standorte, bei ihnen verläuft der Übergang zum Wald jedoch wesentlich langsamer. Bei Robinien erfolgt die Ausdehnung und Verdichtung der Bestände vor allem wegen des vegetativen Wachstums über Wurzelsprossen dagegen sehr schnell, und unter älteren Robinien bildet sich meist eine dichte Strauchschicht, die überwiegend aus Sambucus nigra (Schwarzer Holunder) besteht. Robinienbestände gleichen von ihren Lichtbedingungen daher geschlossenen Buchenwäldern. Allerdings können ältere Robinienbestände durchaus artenreich sein, wie Untersuchungen in Berlin gezeigt haben.

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet sorgen Insektenschäden sowie das Aufwachsen von Schattholzarten dafür, dass die Robinie nach etwa 20 bis 30 Jahren als dominante Baumart abgelöst wird und sich allmählich eine stärker gemischte Waldstruktur einstellt. In den Robinienbeständen Mitteleuropas kommt es dagegen nicht zu einer solchen Sukzession – die in den 1960er Jahren vermutete Umwandlung eines Robinienbestandes in einen Ahornwald hat sich bislang nicht bestätigt. Sowohl die mittlerweile 60 bis 70 Jahre alten Bestände am Kaiserstuhl als auch die etwas jüngeren Berliner Robinienwälder lassen darauf schließen, dass Robinienbestände bei uns wesentlich dauerhafter sind als in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Die Robinie ist daher als „invasiver“ Neophyt zu werten.

Der Mensch als Ursache für die Ausbreitung der Robinie

Die Robinienbestände, von denen aus seltene Biotoptypen bedroht werden, lassen sich überwiegend unmittelbar auf Anpflanzungen zurückführen. Während beispielsweise der Riesen-Bärenklau aufgrund der Schwimmausbreitung seiner Diasporen sehr schnell neue Gebiete entlang von Fließgewässern erreicht, muss bei der Gewöhnlichen Robinie erst der Mensch für die Besiedelung eines Gebietes durch Anpflanzung eines Samenbaums sorgen. Auch die starke Vermehrung in Stadtgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg war nur möglich, weil dort zuvor Robinien als Ziergehölze bereits gepflanzt waren.

Gefährdete Biotoptypen sind daher am besten dadurch zu schützen, dass § 41 des Bundesnaturschutzgesetzes stringent angewandt wird und in der Nähe von solchen Biotopen auf die Anpflanzung von Robinien verzichtet wird.

Bekämpfung von Robinien im Rahmen des Naturschutzes

Die Beseitigung von etablierten Robinienbeständen ist sehr aufwändig und muss sich auf die Standorte begrenzen, an denen dies aus Gründen des Naturschutzes vordringlich ist. Selbst nach einer erfolgreichen Beseitigung von Robinien hat aufgrund der erfolgten Stickstoffanreicherung des Bodens eine Biotopveränderung stattgefunden, so dass beispielsweise die ursprüngliche Magerrasen-Vegetation nicht wieder entstehen kann.

Sinnvoll und wirkungsvoll sind Bekämpfungsmaßnahmen dort, wo Robinienbestände in der Nähe von durch sie gefährdeten Biotoptypen stehen und wo die Gefahr droht, dass sie diese ohne weitere Eingriffe überwachsen. Schwierig ist die Bekämpfung, weil die Robinie sowohl aus dem Stock wieder ausschlagen kann als auch Wurzelausläufer bildet. Wie die Erfahrungen in einzelnen Naturschutzgebieten gezeigt haben, führt ein simples Fällen der Bäume dazu, dass sich lediglich dichtere Bestände bilden. In den USA wird zur Bekämpfung von Robinien häufig nach der Rodung das Herbizid Roundup eingesetzt. Schonender und ebenfalls erfolgreicher als das Fällen, aber aufwändiger ist eine in Berliner Naturschutzgebieten eingesetzte Vorgehensweise, die forstlich als Ringeln bezeichnet wird. Dabei wird an ausgewachsenen Bäumen während des Sommers in einem breiten Band die Rinde mit Ausnahme eines schmalen Steges entfernt. Anders als sonst reagieren die Bäume auf diese Beschädigung nicht mit der Ausbildung von Wurzelsprossen. Der verbleibende Steg wird im nächsten Frühjahr entfernt. Zwei Jahre nach der Ringelung kann man den Baum fällen, vorher schlägt er wie beim einfachen Fällen wieder aus.

Belege

Robinia pseudoacacia auf Briefmarke der polnischen Post

Literatur

  • Eugen Vadas: Die Monographie der Robinie. Mit besonderer Rücksicht auf ihre forstwirtschaftliche Bedeutung. Joerges, Selmecbanya 1914.
  • Kurt Göhre (Hrsg.): Die Robinie und ihr Holz. Deutscher Bauernverlag, Berlin 1952.
  • Ulrich Hecker: BLV-Handbuch Bäume und Sträucher. BLV, München 1995, ISBN 3-405-14738-7.
  • Ingo Kowarik: Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3924-3.
  • Angelika Lüttig, Juliane Kasten: Hagebutte & Co. Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Fauna, Nottuln 2003, ISBN 3-935980-90-6.
  • Mario Ludwig, Harald Gebhard, Herbert W. Ludwig, Susanne Schmidt-Fischer: Neue Tiere & Pflanzen in der heimischen Natur. Einwandernde Arten erkennen und bestimmen. BLV, München 2000, ISBN 3-405-15776-5.

Einzelnachweise

  1. Kurt Göhre: Die Robinie und ihr Holz. Seiten 265–266.
CC by-sa Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Gewöhnliche Robinie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und wird hier in der Hortipedia weiterentwickelt. Er steht unter der Lizenz CC-by-sa 3.0, in der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.

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