Sommerschnitt an Gehölzen

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Fragestellung:

Traditionell werden Gehölze bei uns in den Wintermonaten geschnitten; vielfach wird behauptet, nur dann sei es erlaubt und für die Pflanzen unschädlich.

"Apfel- und Birnenbäume werden im Winter geschnitten!" ... "Kirschen und Pflaumen dürfen nicht im Winter geschnitten werden!"
So kann man es in älteren "Fachbüchern" lesen. Was ist der Ursache für diese im Grunde widersprüchlichen Aussagen?

Betriebswirtschaft:

Der Obstbaumschnitt wurde und wird traditionell von Obstbauern durchgeführt, welche nur im Winter die Zeit hatten, um sich intensiv mit den Bäumen zu beschäftigen.

("Wenn ich hier schneide, bringt der Baum viele Blüten/Früchte, welche aber kleiner bleiben ... wenn ich dort schneide, gibt es weniger Früchte, die jedoch größer werden ...")

Auch die Gärtner, welche im Laufe der Vegetationszeit etwas Anderes zu tun hatten, als Ziergehölze zu schneiden, konnten die Winterruhezeit nutzbringend mit dem Gehölzschnitt ausfüllen. Beim "Osterfeuer" konnten dann die Zweige verbrannt werden.

Die Gehölze ließen scheinbar schadlos diese Eingriffe über sich ergehen... Nicht alle > siehe oben !

Pflanzenbiologie:

Die Tatsache, dass viele Gehölze während ihrer Ruheperiode Schnittmaßnahmen scheinbar klaglos hinnehmen, bedeutet nicht, dass sie dieses mögen !

Kein Chirurg wird einen Patienten ohne Not operieren, solange dieser im Koma liegt, und sein Stoffwechsel nicht funktioniert. - Bäume sind Lebewesen, welche nach pflanzenbiologischen Kriterien zu betrachten sind.

Wundschutz

Eine Wunde muss gegen Schadorganismen geschützt werden: Durch Einlagerung von Wirkstoffen schottet der Baum die Wunde gegen das Eindringen von Pilzen und Bakterien ab; dies funktioniert natürlich nur, wenn der Baum aktiv ist.

Nach einem Schnitt im Winter bleibt die Wunde so lange ohne Schutz, bis diese Prozesse im Baum wieder in Gang kommen.
Der Einsatz von "Wundverschluss-Mitteln" hat sich in Versuchen als wenig geeignete Maßnahme gezeigt; teilweise fühlten sich die Schadorganismen hierunter besonders wohl.

Überwallung

Die Wunde soll möglichst schnell durch Überwallung komplett verschlossen werden; in der Wachstumsperiode kann dieses sofort eingeleitet werden.

Austrieb nach Sommerschnitt an einer Buchenhecke

Ausgleich

Nach einem Verlust von Assimilations-Organen bemüht sich der Baum um Ersatzmaßnahmen, neue Zweige und Blätter werden gebildet.

Bei einem Sommerschnitt wird dieser Nachtrieb moderat ausfallen, weil noch nicht viele Reserven zur Verfügung stehen, und auch entsprechend weniger gebildet werden.
Nach einem Schnitt im Winter hat der Baum beim Austrieb im Frühjahr mit seinen eingelagerten Reservestoffen weniger Knospen zu versorgen, die entstehenden Neuaustriebe werden entsprechend kräftiger.
Der Baum wird zusätzliche Knospen aktivieren und hierdurch dichter werden. Hierdurch wird bald ein nächster Schnitt erforderlich, der wieder seine Gefahren birgt.

Rechtliches:

Zum Schutz der Tiere: Gehölzschnitt-Verbot ab 1. März

Laut Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes dürfen in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September Bäume, Hecken ( ... ) und andere Gehölze nicht abgeschnitten oder auf den Stock gesetzt werden. Das zeitlich begrenzte Verbot dient dem Schutz aller Arten, welche auf Gehölze angewiesen sind. Es soll insbesondere das Blütenangebot für Insekten während des Sommerhalbjahres sicherstellen sowie Brutplätze für Vögel in der Vegetationszeit erhalten. Bei Verstoß droht eine empfindliche Geldbuße.
Das Verbot ist keineswegs allumfassend, es gibt auch Ausnahmen. Vom Verbot nicht betroffen sind Bäume im Wald ( ... ) sowie Bäume auf gartenbauwirtschaftlich und erwerbsgärtnerisch genutzten Flächen.
Auch schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Pflanzenzuwachses oder zur Gesunderhaltung von Bäumen dürfen vorgenommen werden. Zu den Ausnahmen gehören auch Maßnahmen aus Gründen der Verkehrssicherheit sowie zulässige Bauvorhaben, wenn dafür nur ein geringfügiger Gehölzbewuchs beseitigt werden soll.
Dieser harte sommerliche Rückschnitt bremst das Wachstum des Stadtbaumes im Folgejahr: Es werden weniger Assimilate eingelagert.

Hier der Wortlaut: § 39 Absatz 5 Ziff. 2 BNatSchG

„Es ist verboten Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.“

Folgen des Sommerschnitts:

Ein Sommerschnitt bremst das Wachstum des Baumes. Bei einem stark wachsenden Baum kann man durch den Sommerschnitt den Zuwachs in gewissem Umfang einschränken.

Nach einer starken Schnittmaßnahme während der Sommermonate reagiert der Baum weniger stark; er bildet dann auch eine geringere Anzahl von Wasserschossen als nach einem starken Winterschnitt.
Weil im Sommer die Wundverschlussmechanismen des Baumes optimal arbeiten, ist das Eindringen von Schadkeimen in die Wunde geringer.

Beim Obstbaum

Ein Sommerschnitt geht nicht zulasten des Fruchtertrags im Folgejahr, wie dies beim Winterschnitt der Fall ist. Er bewirkt eine bessere Besonnung der Fruchtzweige; dies führt zu einer besseren Ausreife der vorhandenen Früchte.

Beim Sommerschnitt können gleichzeitig kranke Zweige erkannt und entfernt werden, und durch das Auslichten des Baums haben Pilzkrankheiten eine geringere Chance zur Neu-Infektion.

Winterschnitt an Nadelgehölzen:

Bei Nadelgehölzen tritt an den Schnittstellen Harz aus, welches die Wunde schützt und verschließt; dieses funktioniert auch im Winter.

Daher, und weil der Stoffwechsel der (immergrünen) Nadelgehölze auch im Winter aktiv ist, können diese ohne Nachteile im Winter geschnitten werden.
Im Sommer ist das Harz dünnflüssiger und kann zu unangenehmen Verschmutzungen führen.

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