Vinca minor

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Vinca minor L.

Apocynaceae

Lebensform: Halbstrauch
Verwendung: Zierpflanze

Standort: Sonne - Standort: Halbschatten - Standort: Schatten   6

Bodenfeuchte: frisch bis Bodenfeuchte: nass

Bodenart: Lehm - Bodenart: sandiger Lehm - Bodenart: steiniger Lehm - Bodenart: Ton - Bodenart: sandiger Ton - Bodenart: lehmiger Ton

Blattstand: gegenständig
Blatt: Immergrün

Blattform: eiförmig

Blattgliederung: einfach

Blütenform: trichterförmig
Frucht: Balgfrucht

100D / 9d9ee6 

Knospenanordnung: einzeln

Blüte: einfach
Blütenhabitus: aufrecht

Wuchsform: keine Angabe

Taxonomie

Divisio:
Magnoliophyta
Subdivisio:
Magnoliophytina
Classis:
Rosopsida
Subclassis:
Lamiidae
Superordo:
Gentiananae
Ordo:
Gentianales

Vinca minor, umgangsprachlich Kleines Immergrün, ist ein immergrüner, niedriger und flachwachsender Halbstrauch, der Wuchshöhen von 10 bis 15 Zentimetern erreicht.

Namensherkunft

Vinca minor wurde 1753 von Carl Linnaeus beschrieben und benannt. Der Gattungsname kann vom lateinischen "vincire" = winden abgeleitet werden; schon in der Römerzeit wurden "Jungfernkränze" aus den langen Ranken gewunden.
Die Römer nannten die Planze 'vincapervinca' , wie sie im Spanischen heute noch genannt wird.

Taxonomie

Das Kleine Immergrün ist eine Art aus der Gattung Vinca, die 5 Arten umfasst und zur Familie der Apocynaceae (Hundsgiftgewächse) gehört.

Merkmale

Vinca minor 'Bowles'
Vinca minor, blühende frische Austriebe

Wuchs

Die bis zu 60 cm langen vegetativen Triebe sind niederliegend und bewurzeln sich an den Knoten, woraufhin sie dann neue Sprosse bilden und sich verzweigen. Die im Frühjahr treibenden, reich blühenden Blühtriebe stehen aufrecht.

Blätter

Die ledrigen, gegenständig angeordneten Laubblätter sind länglich lanzettlich bis elliptisch, ganzrandig, glänzend dunkelgrün, auf der Rückseite heller und matt. Sie werden bis 4 Zentimeter lang und sind kurz gestielt bis sitzend.

Blüten und Früchte

Die blauen Blüten erscheinen zahlreich von April bis Mai; Sie stehen einzeln, lang gestielt in den Blattachseln diesjähriger, aufrechter Blühtriebe, weniger zahlreich auch als Nachblüte an den Langtrieben bis zum September. Sie sind zwittrig, fünfzählig, mit einem Durchmesser von 2 bis 3 Zentimetern; die Kronblätter sind zu einer kurzen Röhre verwachsen. Schon am Naturstandort ist die Art variabel, mit verschiedenen Blütenfarben (von weiß über violett bis purpur) und leicht differenzierenden Blüten- und Blattformen. Gelegentlich kommen auch gefüllte Varianten vor.

Vinca minor setzt nur selten Samen an. Die Früchte sind Balgfrüchte. Die Samen besitzen ein Nährgewebe und werden durch Ameisen verbreitet.

Vinca minor, bodenbedeckende Langtriebe

Verbreitung

Vinca minor stammt wahrscheinlich aus dem südlichen Mitteleuropa und dem Mittelmeergebiet. Die Römer brachten sie mit und verbreiteten sie über ganz Europa. Auf den Britischen Inseln und in Nordeuropas wurde sie später als 'Gartenflüchtling' eingebürgert. Selbst in Nordamerika ist sie verwildert.

Standort

Das Kleine Immergrün wächst auf sonnigen bis schattigen Standorten und verträgt Temperaturen bis -23,3º C. (Winterhärtezone 6b) Es liebt sehr nährstoffreichen Lehm- oder Tonboden, auf nicht zu sonnigen Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit oder auch humose, mäßig trockene bis feuchte und sehr lockere Böden mit guter Nährstoffversorgung; es toleriert aber alle guten Gartenböden. Es liebt schwach saure bis alkalische Substrate, ist aber an beim pH-Wert ebenfalls anpassungsfähig. Für eine gute Entwicklung benötigen die Pflanzen eine Oberbodendicke von mindestens 20 Zentimetern.

Frühlings-Idylle

Lebensbereich nach Prof. Dr. Sieber:

  • Gehölz (meist sehr humusreicher Boden)

Toleranz spezieller Standortbedingungen

  • keine Toleranz: sauerstoffarme Böden, Bodenverdichtung
  • geringe Toleranz: salzhaltige Böden
  • mittlere Toleranz: zeitweise trockene Böden, kalkhaltige Böden

Verwendung

Das Kleine Immergrün kann dichte Teppiche zwischen und unter Hecken, Sträuchern und Baumgruppen weben. Es ist schattenverträglich, gedeiht jedoch auch in der vollen Sonne, wo sie reicher blüht. Es verträgt den Wurzeldruck der Gehölze und ist frosthart und stadtklimaresistent. Je nach Platzangebot hat man heute die Auswahl zwischen stärker oder schwächer wachsenden Sorten. Denkbare Partner wären z.B.: Epimedium, Lamiastrum, Pulmonaria, Waldsteinia, Tiarella, Schattengräser.
Die noch oft angebotene 'Wildform' ist für den Garten nicht zu empfehlen: Sie ist blühfaul, und nach anfänglich schnellem Wachstum vergreist sie recht schnell, wird lückig und unschön. Zudem gilt sie als krankheitsanfällig.

Der empfohlene Pflanzabstand liegt bei 25 Zentimetern, am besten kommen die Halbsträucher in Gruppen von 10 bis über 15 Stück zur Geltung. Geeignet für Bauerngärten, Steingärten, Dachgärten und für Beete und Rabatten, außerdem geeignet als Friedhofsgrün, Bodendecker, Hangbepflanzung und als Bienenweide.

Pflege und Vermehrung

Unschön gewordenen Bestände können durch harten Rückschnitt oder auch Mähen, im Juni nach der ersten Blüte, wieder aufgefrischt werden. Auch eine leichte Düngung mit einer Zugabe von Kompost ist hilfreich.

Die Art ist variabel ...

Die Vermehrung erfolgt ganzjährig, am besten durch das Abtrennen von bewurzelten Trieben (Nodien).

Sorten

Entsprechend der langen Gartengeschichte des Kleinen Immergrünes hat es viele Sorten hervorgebracht, mit verschiedenen Wuchseigenschaften und diversen Blütenvarianten.
Beispiele:

  • 'Alba' - starkwüchsig mit großen länglich ovalen Blättern (h≈20 cm), reichblütig, reinweiß
  • 'Alba Variegata' - wie 'Alba' , mit weiß gerandeten und weiß gefleckten Blättern
  • 'Anna' - sehr flachwüchsig mit kürzeren Trieben, spätblühend, reich- und großblütig violettblau (Sortenschutz!)
  • 'Argenteovariegata' (='Variegata') - flachwachsend mit gelblichweiß gerandeten breit elliptischen Blättern, schwachblühend, blüten klein, violettblau
  • 'Aureovariegata' - flachwachsend mit gelb panaschiertem elliptisch spitzem Laub, schwachblühend, blüten klein, weiß
  • 'Atropurpurea' (='Rubra', 'Purpurea') - dunkelpurpur (violettrot), großes länglich ovales Laub, (h≈20 cm), wegen langer Internodien schlecht deckend
  • 'Bowles Varety' (='La Grave') - rundovales großes Laub, anfangs mehr horstig wachsend, (h≈20 cm), starkwüchsig und dichtschließend, reich- und großblütig violettblau, alte Sorte von 1920
  • 'Getrude Jekyll' (='Jekyll White') - nur flachwachsend, (h≈10 cm), mit großen länglich ovalen Blättern, reichblütig, reinweiß
  • 'Grüner Teppich' - starkwüchsig mit großen ovalen bis elliptischen Blättern, dichte Teppiche bildend, nicht blühend
  • 'Illumination' - Laub innen gelb mit grünem Rand, rötliche Stiele, Blüten blau, wächst langsam (h≈10 cm) (Sortenschutz!)
  • 'Josefine' - ähnlich 'Getrude Jekyll' , starkwüchsig, vieltriebig, reichblütig, leuchtend hellblau (Sortenschutz!)
  • 'Marie' - kleinblättrig, vieltriebig, kompakt (h≈15 cm), reichblütig violettblau (Sortenschutz!)
  • 'Ralph Shugert' - dunkelgrün mit weißem Rand (h≈20 cm), reichblütig blauviolett
  • 'Multiplex' - wie 'Atropurpurea' mit gefüllter Blüte
  • 'Plena' (='Azurea Flore Pleno', 'Flore Plena', 'Caerulea Plena') - Violettblau gefüllt, Wuchs wie V. minor

Giftigkeit

Das Kleine Immergrün ist in allen Teilen giftig. Es enthält etwa 40 Alkaloide, der Gesamtalkaloidgehalt beträgt 0,3 bis 1,35 Prozent. Der Hauptwirkstoff ist Vincamin, das bis zu zwei Drittel der Gesamtalkaloidmenge ausmacht. Vinca minor wurde als Heilpflanze früher hauptsächlich zur Behandlung von Durchblutungsstörungen eingesetzt, inzwischen wurde der Vertrieb von Vincamin-haltigen Präparaten allerdings vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verboten. Im Tierversuch zeigten sich nämlich Veränderungen des Blutbilds, die nicht auf die Hauptalkaloide, sondern auf deren Begleitstoffe zurückzuführen sind. Von dem Verbot nicht betroffen sind Vincamin-Fertigpräparate, die aus den Pflanzen gewonnen oder synthetisch hergestellt werden, und homöopathische Präparate. Sie werden bei zerebralen Durchblutungsstörungen eingesetzt. Vincamin verbessert die Durchblutung des Gehirn und soll so die Aufnahme von Sauerstoff und die Bereitstellung von Glucose erhöhen.[1]

Aeskulap  Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen

Krankheiten und Schädlinge

Eine "Schwarzstengeligkeit" genannte Pilzkrankheit tritt überwiegend nur bei der Wildart und bei schlechten Standortbedingungen auf.
Schnecken mögen diese Pflanze nicht.

Mensch und Vinca minor

Zeichnung von Otto Wilhelm Thomé, 1885

Geschichte

Vinca minor wurde schon im Mittelalter in Burg- und Klostergärten kultiviert; daher orientieren sich gelegentlich Archäologen an Vorkommen von Vinca, um Reste ehemaliger Siedlungen aufspüren.

Symbolik

Das Immergrün hat im Volksgauben verschiedenartige Bedeutungen, es wurde zur Abwehr des Bösen in vielen Riten und Bräuchen genutzt, die sich auch in verschiedenen Volksnamen ausdrücken:

Als "Totenblatt" und "Totenblümchen" wurde es als Sinnbild des Kreislaufes des Lebens und der Wiedergeburt verstorbenen Kindern als Kopfkranz in den Sarg gelegt.
Als "Jungfernkrone" flochten sich in früheren Zeiten die jungen Mädchen Kopfkränze aus Immergrün, zum Symbol ihrer jungfräulichen Reinheit.

Belege

Literatur

  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  • Christoper Brickell (Editor-in-chief): RHS A-Z Encyclopedia of Garden Plants. 3. Auflage. Dorling Kindersley, London 2003, ISBN 0-7513-3738-2.
  • Vinca minor in der Flora of China (engl.)

Einzelnachweise

  1. Vinca minor (Pharmazie Uni Frankfurt)

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