Thiamin

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Strukturformel
Datei:Thiamin.png
Allgemeines
Trivialname Thiamin
Andere Namen Vitamin B1, Aneurin, 3-((4-Amino-2-methyl-5-pyrimidinyl)methyl)-</br>5-(2-hydroxyethyl)-4-methylthiazoliumchlorid
Summenformel C12H17ClN4OS·HCl
CAS-Nummer 59-43-8
Kurzbeschreibung farbloses Pulver, charakteristischer Geruch
Vorkommen Weizenkeime, Sojabohnen, Schweinefleisch
Physiologie
Funktion
Täglicher Bedarf 1,0–1,2 mg
Folgen bei Mangel
Überdosis nicht bekannt
Eigenschaften
Molare Masse 337,27 g/mol
Aggregatzustand fest
Schmelzpunkt 248 °C
Siedepunkt ? °C
Löslichkeit sehr gut löslich in Wasser
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.


Thiamin, Vitamin B1, wird im Volksmund gern auch Stimmungsvitamin genannt. Es ist ein weißes, wasserlösliches Vitamin von schwachen, aber charakteristischen Geruch und ist unentbehrlich insbesondere für die Funktion des Nervensystems. Wird das Vitamin B1 ca. 14 Tage nicht mehr dem Körper zugeführt, dann sind die Reserven zu 50 % aufgebraucht.

Aufgabe/Funktion

Vitamin B1 spielt als Coenzym im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel eine wichtige Rolle. Als Thiamin-Diphosphat (TDP, Coenzym von Decarboxylasen und Transketolase) wirkt es beim Abbau von Kohlenhydraten im Gehirn und in den Muskeln. Auch Kondition und Gedächtnis hängen von diesem Vitamin ab. Es ist für die Produktion von Magensäure notwendig. Es ist ein Coenzym für die Pyruvat-Dehydrogenase, einen Multienzymkomplex, welcher Pyruvat zu Acetyl-CoA umsetzt. Dadurch spielt Thiamin eine wichtige Rolle bei der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten sowie bei der Umwandlung von Kohlenhydraten in Fette.

Vorkommen

  • in 100 g Weizenkeime 2 mg
  • in 100 g Sojabohnen 1 mg
  • in 100 g Schweinefleisch 0,90 mg
  • in 100 g Rindfleisch 0,60 mg
  • in 100 g Erbsen 0,76 mg
  • in 100 g Haferflocken 0,65 mg
  • in 100 g Weiße Bohnen 0,50 mg
  • in 100 g Hühnerfleisch 0,10 mg
  • in 100 g Kartoffeln 0,10 mg
  • Bierhefe
  • Vollkornprodukte

Bedarf

  • Frauen 1,0 mg/Tag
  • Männer 1,2 mg/Tag

Mangelerscheinungen (Hypovitaminose])

Symptome:

  • Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels und Nervensystems
  • Reizbarkeit und Depressionen
  • Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Muskelatrophie
  • Blutarmut (Anämie)
  • häufige Kopfschmerzen
  • Gedächtnisstörungen, Verwirrungszustände
  • Herzversagen, Ödem, niedriger Blutdruck, Kurzatmigkeit
  • Verringerte Produktion von Antikörpern bei Infektionen
  • gestörte Energieproduktion
  • schwache Muskulatur (besonders die Wadenmuskulatur)
  • Krankheit: Beriberi:

Beriberi trat auf, als man den Reis zu polieren begann und dadurch die vitaminreiche Schale entfernt wurde. In Europa tauchte sie auf, als Mehl so fein gemahlen wurde, dass der vitaminreiche Weizenkeim verschwand und über das Brot kein Vitamin B1 mehr aufgenommen wurde. Hinzu kommt, dass jeder Genuss von Industrie-Zucker bei der Verdauung viel Vitamin B1 verbraucht, was einen Vitamin-B1-Mangel forcieren kann. In den Ländern Ostasiens und Japan, wo Reis als Hauptnahrungsmittel gilt, trat die Krankheit häufig auf. Die Krankheit tritt noch heute in Ländern der Dritten Welt auf. In den Industrieländern finden wir diese Krankheit meist im Zusammenhang mit Alkoholismus oder schwerer Fehlernährung. Symptome bei Beriberi: neurologische Störungen, Muskelatrophie (Muskelschwund) und Herzinsuffizienz

Folgen einer Überdosierung (Hypervitaminose)

Erst bei einer Menge von über 200 mg reagieren beispielsweise die Nerven überempfindlich auf Reize. In einigen Fällen wurden bei intravenösen Verabreichungen schwere allergische Reaktionen festgestellt.

Vitamin B-Gruppe

Hier handelt es sich um eine Sammelbezeichnung wasserlöslicher Vitamine, unterschiedlicher, chemischer Zusammensetzungen. Außer den eigentlichen B-Vitaminen, wie B1 Thiamin, B2 Riboflavin, B6 Pyridoxin und B12 Cobalamin rechnet man noch Biotin, Folsäure, Nicotinsäure und Pantothensäure hinzu. Die Gruppe der B-Vitamine kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Ohne die Faktoren der B-Gruppe laufen fast keine biochemischen Prozesse im Körper ab. Vitamine der B-Gruppe stellen keine einheitliche Klasse dar. Sie sind chemisch und pharmakologisch völlig verschiedene Substanzen. Einzelne B-Vitamine kommen in der Natur niemals isoliert vor. Aus diesem Grund wirken sie in der Regel auch im Verbund.

Geschichte

  • 1882: erkannte der Japaner Takaki, dass die schon um 2600 vor Chr. in China bekannte [Beriberi-Krankheit, durch zweckmäßige Ernährung (aus dem Vitamin B-Bereich) geheilt werden kann.
  • 1897: wies der Nobelpreisträger für Medizin/Physiologie (Nobelpreis 1929) [Christiaan Eijkman] den Vitamin B1-Mangeleffekte durch das Füttern von poliertem Reis nach und zeigte, dass durch die Verfüttern der Silberhäutchen des Reises der Mangel behoben werden kann. Anti-Polyneuritis-Vitamin oder Aneurin (antineuritisches Vitamin) wurde es zunächst wegen seiner Wirkung auf die Nerven genannt.
  • 1932: erhielt es dann aber von Windaus wegen seines Schwefelgehaltes die Bezeichnung Thiamin, der heute der einzig zulässige Name ist.
  • 1926: wurde das Vitamin erstmalig von Jansen und Donath in kristalliner Form aus Reiskleie isoliert.
  • 1936: wurde die Struktur von Vitamin B1 etwa gleichzeitig von R. R. Williams und Grewe aufgeklärt. Die Synthese erfolgte durch R. R. Williams 1936 und von Andersag und Westphal 1937.

Weiterführende Informationen

Literatur

  • Klaus Oberbeil: Fit durch Vitamine. Südwest-Verlag, 2003, ISBN 3517078247
  • Autor unbekannt: Kalorien, Nährstoffe, Vitamine. Compakt Verlag, 2003,ISBN 3817455143
  • Harald Friesewinkel: Das Wichtigste über Vitamine. Knauer Verlag, 2004, ISBN 3417247187

Siehe auch:

Weblinks


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